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„Die Stadt mitten ins Herz getroffen“

Von Carsten Schultz, 24.01.12

BAD HONNEF Die Entscheidung des Kölner Erzbistums, das Katholisch-Soziale Institut (KSI) von Bad Honnef auf den Michaelsberg nach Siegburg zu verlagern, hat die Mitarbeiter „geschockt“ und das Stadtoberhaut regelrecht entsetzt. „Das trifft die Tagungsstadt Bad Honnef mitten ins Herz“, sagte Bürgermeisterin Wally Feiden am Montag gegenüber der Rundschau. Sie selbst sei von den Umzugsplänen „,kalt erwischt“ worden.

KSI-Direktor Professor Dr. Ralph Bergold informierte die etwa 60 Angestellten der Bildungseinrichtung gestern Morgen bei einer Mitarbeiterversammlung. Sie fand zwei Stunden vor der Pressekonferenz in Siegburg statt, bei der die Pläne öffentlich gemacht wurden. Demnach zieht das KSI, das 1947 als „Stätte der Erwachsenenweiterbildung auf Grundlage der katholischen Soziallehre“ gegründet worden ist (siehe auch Infotext), auf den Siegburger Michaelsberg. Dort müssen nach Bistumsangaben zuvor aber „mindestens 40 Millionen Euro“ investiert werden.

Das wiederum wertet Bergold als positives Zeichen für das KSI: Zwar hätten die Mitarbeiter auf die Mitteilung „geschockt“ reagiert und müssten sie erstmal verkraften, doch sei die Investition auch „ein klares Signal zur Sicherung und Weiterentwicklung des KSI“. In anderen Diözesen würden ähnliche Einrichtungen geschlossen. „Da steckt Zukunft dahinter“, sagte Bergold gegenüber der Rundschau und betonte, dass niemand seinen Arbeitsplatz verliere und die Einrichtung „in der Region“ bleibe.

Aus Sicht der Stadt ist das allerdings nur wenig tröstlich: Bad Honnef verliere 60 bis 70 Mitarbeiter und rund 20 000 Gäste jährlich – mit allen Folgen für das Steueraufkommen und die Kaufkraft in der Innenstadt und ihren Geschäften, klagte Bürgermeisterin Wally Feiden. Sie kritisierte zugleich die Informationspolitik des Erzbistums: Erst am Freitag habe man versucht, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Und dann sei nichts mehr zu verhandeln, sondern die Sache schon entschieden gewesen. Sie habe ihr „Befremden“ über das Vorgehen des Bistums deutlich gemacht.

Zugleich erinnerte Feiden daran, dass Bad Honnef in der Vergangenheit bereits das Deutsche-Französische Jugendwerk und die Landsvolkshochschule in Rhöndorf verloren habe. „Da wird ein bisschen viel bei uns gewildert“, meinte die Bürgermeisterin. Bad Honnef habe versucht, sich nach dem Wegfall des Kurbetriebs als Tagungsstadt zu positionieren. Dabei sei das KSI der „Nukleus“ gewesen, um den sich alles andere herum gruppiert habe. So gesehen treffe der Umzugsbeschluss „mitten ins Herz“.

Völlig offen ist unterdessen, was aus der prominent gelegenen Immobilie in unmittelbarer Nachbarschaft der Internationalen Hochschule werden soll. Fest steht nur, dass das Gebäude verkauft werden soll. „Nein“, sagte KSI-Chef Bergold auf die Frage, ob es schon eine Idee gebe. Der Umzug soll voraussichtlich 2015/2016 anstehen.Denkbar wäre nach Einschätzung der Bürgermeisterin eine Hotelnutzung, wobei jedoch in Bad Honnef vor allem preisgünstige Betten gebraucht würden, was im KSI wohl nur schwer ginge. Vor allem aber müsste man Investoren finden, und die, betonte Feiden, „fallen nicht einfach vom Himmel“.

Quelle: www.rundschau-online.de vom 24.01.2012

Last changed: 25.01.2012 at 06:26
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