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Russische Wehmut und Lieder von Alexandra gehen zu Herzen

Ural-Kosaken, der Männergesangverein Liederkranz und Solistin Dorothee Lotsch begeistern in Aegidienberg

AEGIDIENBERG. Es wurde einst zur Zarenkrönung gesungen. Das Lied „Auf viele Jahre!“ widmete der Ural-Kosaken-Chor beim gemeinsamen Konzert mit dem Männergesangverein (MGV) Liederkranz dem Publikum im Bürgerhaus Aegidienberg genauso wie den Liederkranz-Sängern um den Vorsitzenden Eberhard Bialkowski. „Ihnen wünschen wir alles Gute – auf viele Jahre“, sagte der musikalische Leiter, Volodymyr Kozlovsky. Sein Chor – neun Sänger, neun feine Stimmen – spiegelte die russische Seele und berührte die Herzen der Aegidienberger. Hinzu kamen die Liederkranz-Herren, die unter Leitung ihres Dirigenten Guido Wilhelmy über sich hinauswuchsen und mit Richard Winter auch einen glänzenden Solisten in ihren Reihen hatten.

Als Solistin war Dorothee Lotsch dabei. Sie erinnerte mit ihrem Auftritt an Sängerin Alexandra, die durch Lieder wie „Mein Freund der Baum“ unvergessen ist. Die Biologin Lotsch hatte als kleines Mädchen bei den Eltern eine Platte mit Alexandra-Liedern entdeckt, die einzige mit nicht klassischer Musik. Sie war so fasziniert von der dunklen Stimme voller Wehmut und Melancholie, dass sie die Titel mittlerweile covert. Und die Ural-Kosaken wiederum binden seit einigen Jahren in ihr Repertoire aus orthodoxen Gesängen, russischen Klassikern und temperamentvollen Volksweisen aus dem alten Russland und der Ukraine Alexandra-Stücke ein, anmutig von Dorothee Lotsch vorgetragen.

Die früh verstorbene Sängerin und die Kosaken teilten ein ähnliches Schicksal. Alexandra stammte aus dem Memelland und flüchtete 1944 als Kind vor der Roten Armee gen Westen; viele der zaren-treuen Kosaken emigrierten nach der Oktoberrevolution 1917 und verteilten sich in Europa und den USA. Andrej Scholuch gründete 1924 in Paris den Ural-Kosaken-Chor. Die schlichten schwarzen Uniformen mit dem blauen Seitenstreifen sind an die Farben des Ural-Garderegiments angelehnt. Nachdem mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs der Chor seine Tätigkeit eingestellt hatte, gelang es dem Gründer, ihn in den 50er Jahren wieder aufzubauen. Ivan Rebroff war sein berühmtestes Mitglied. Nach einer Pause wurde 1984 ein neues Ensemble geformt. 2000 nahm Scholuchs Sohn Wanja eine Neuaufstellung vor. Zwischendurch wirkte sogar Alexandras Sohn Alexander als Dirigent.

Nun begeisterte das Ensemble in Aegidienberg zusammen mit dem MGV. Der Liederkranz trug zum Beispiel Schuberts „Trinklied“ vor oder mit Solist Richard Winter die russische Volksweise „Suliko“. Fantastisch die Kosaken-Solisten: So trat etwa Bass Ihor Vasechko zum „Mönchsgebet“ an, Tenor Yurij Huresh sang „Herrscher des Himmels“. Toll auch das Bass-Solo „Abendglocken“ von Yaroslav Melnyk. Und Dorothee Lotsch glänzte mit dem „Lied der Taiga“. Zum Schluss wurde gemeinsam gesungen. Der Gänsehaut-Höhepunkt: die Operettenmelodie „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“. Die gute Nachricht: Die Ural-Kosaken möchten gern wiederkommen.   oro

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 12.06.2018

Last changed: 12.06.2018 at 05:05
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