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Männer-Gesangverein „Liederkranz 1875“ Aegidienberg e.V.
Bunter Abend
Samstag, den 27. Januar 2018 um 19.15 Uhr
im Bürgerhaus in Aegidienberg

 
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Zwangs­räu­mung vor­erst vom Tisch

Die letz­ten Be­woh­ner des Wo­che­nend­plat­zes am Re­der­schei­der Weg dür­fen zu­nächst blei­ben

Von Clau­dia Sül­zen

Rott­bit­ze. Gu­te Nach­rich­ten für die letz­ten ver­blie­be­nen Be­woh­ner der Wo­che­nend­häu­ser am Re­der­schei­der Weg: Die Stadt hat die Ord­nungs­ver­fü­gun­gen aus­ge­setzt, mit de­nen das dau­er­haf­te Woh­nen auf den Par­zel­len im ehe­ma­li­gen Frei­zeit­cen­ter Ae­gi­dien­berg end­gül­tig un­ter­sagt wor­den ist. Das teil­te Bü­ro­lei­te­rin Jo­han­na Hög­ner auf GA-An­fra­ge mit. Mit der Ver­fü­gung schweb­te über den Be­wohn­ern nach oh­ne­hin un­ru­hi­gen Jah­ren zu­letzt auch noch das Da­mok­lessch­wert der Zwangs­räu­mung zum 1. Ja­nu­ar. Nach­dem die Stadt zu­nächst auch in der Pres­se hat­te wis­sen las­sen, dass ei­ne Räu­mung nicht vor der Fer­tigs­tel­lung der ge­för­der­ten Woh­nun­gen an der Ae­gi­dien­ber­ger Stra­ße als al­ter­na­ti­vem Wohn­raum ge­plant sei, teil­te sie dies den Be­trof­fe­nen nun auch schrift­lich mit.

Das Gros der Päch­ter nahm da­rauf­hin ih­re Kla­gen ge­gen die Ord­nungs­ver­fü­gun­gen zu­rück, so ließ de­ren Rechts­an­walt wis­sen. „Da­mit gibt es ein vor­läu­fi­ges Hap­py End“, teil­te Nils Mi­cha­el Be­cker, Rechts­an­walt ei­ner Rei­he der ver­blie­be­nen Päch­ter, dem GA mit. Hin­ter den Päch­tern lie­gen Jah­re der Un­ge­wiss­heit. Wie mehr­fach be­rich­tet, hat­ten sie teils vor Jahr­zehn­ten die klei­nen Par­zel­len ge­pach­tet, dort auf ei­ge­ne Kos­ten ih­re Häus­chen er­rich­tet. Was ih­nen nicht be­wusst war: Dau­er­haf­tes Woh­nen war auf dem Platz nie er­laubt; da­rü­ber je­doch, so be­rich­te­ten die Päch­ter auch dem GA, ha­be die Stadt nie in­for­miert, auch nicht, als sie vor teils mehr als 20 Jah­ren ih­ren er­sten Wohn­sitz an­mel­de­ten und sich auf recht­lich si­che­rem Bo­den wähn­ten. Die vier­stel­li­ge Kau­ti­on, die sie sei­ner­zeit an die ehe­ma­li­gen Be­trei­ber des Plat­zes zahl­ten, ist mit den frü­he­ren Be­sitz­ern üb­ri­gens längst über al­le Ber­ge.

Die Sa­che es­ka­lier­te, als das Ge­län­de 2014 zwangs­ver­stei­gert wur­de. Der Er­stei­ge­rer zahl­te die Er­stei­ge­rungs­sum­me nie. Das Ge­richt ord­ne­te da­rauf­hin Zwangs­ver­wal­tung an, und die Päch­ter ge­rie­ten in die Müh­len der Bü­ro­kra­tie – und in je­ne zwi­schen Er­stei­ge­rer und Zwangs­ver­wal­ter. Die Stadt pach­te­te schließ­lich nach recht­li­cher Klä­rung Tei­le des Are­als für den Bau der Flücht­lings­un­ter­kunft an.

En­de Ok­to­ber 2016 be­kam die Stadt dann bei ei­nem er­neu­ten Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ter­min auch den Zu­schlag für das Are­al für 705 000 Eu­ro. In­zwi­schen sind al­le Flücht­lin­ge aus den Mo­bil­hei­men wie­der aus­ge­zo­gen, die Flücht­lings­un­ter­kunft wird suk­zes­si­ve ab­ge­baut. Die Stadt will die Mo­bil­hei­me ver­kau­fen und das Ge­län­de in Zu­kunft zu Bau­land ent­wi­ckeln (sie­he Kas­ten).

Die Stadt kün­dig­te den Päch­tern; im Ju­ni 2017 dann er­ging zu­sätz­lich die ge­nann­te Ord­nungs­ver­fü­gung. Da­ge­gen reich­ten meh­re­re Par­tei­en beim Ver­wal­tungs­ge­richt Köln Kla­ge ein. Pro­blem, so be­rich­te­te Rechts­an­walt Be­cker schon da­mals: Kei­ne der von ihm ver­tre­te­nen Par­tei­en ha­be Er­satz­plä­ne für den Fall, dass ein Woh­nen am Re­der­schei­der Weg un­mög­lich wer­de und zu­gleich kein fi­nanz­iell er­schwing­li­cher Wohn­raum zur Ver­fü­gung ste­he. Die Stadt hin­ge­gen poch­te da­rauf, dass sie gel­ten­des Recht um­set­zen müs­se – sprich: das dau­er­haf­te Woh­nen in dem Son­der­ge­biet, so die of­fi­ziel­le bau­ord­nungs­recht­li­che Be­zeich­nung für das Are­al, zu un­ter­sa­gen. Zu­gleich sag­te Bürg­er­meis­ter Ot­to Neu­hoff zu, so­zi­al­ver­träg­li­che Lö­sun­gen hät­ten Prio­ri­tät. Für die Um­set­zung sei ent­spre­chend ein Ter­min nicht vor Mit­te 2018 an­ge­strebt. Die An­woh­ner in­des reich­ten Kla­ge ein, schon, um bei der Wah­rung ih­rer Rech­te nicht in Ver­zug zu kom­men.

Der An­kün­di­gung ließ die Stadt nun al­ler­dings auch schrift­lich Ta­ten fol­gen: Die Ver­fü­gun­gen wur­den laut Hög­ner of­fi­ziell aus­ge­setzt, in zwei Fäl­len bis zum Aus­gang der Kla­ge in der er­sten In­stanz, in al­len an­de­ren Fäl­len bis zur Fer­tigs­tel­lung der Häu­ser der Ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft für die Städ­te und Ge­mein­den des Rhein-Sieg-Krei­ses (GWG) an der Ae­gi­dien­ber­ger Stra­ße. Wie be­rich­tet, sol­len die Häu­ser Mit­te des Jah­res fer­tig sein.

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 03.01.2018

Last changed: 04.01.2018 at 10:02
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