Ein Stückchen Himmel

Administrator (admin) on 27.02.2019

Bei der Kölschen Mess füllen unzählige Jecken die Kirche Sankt Johann Baptist. Pfarrer Herbert Breuer spricht über Masken im Alltag

Ein Stückchen Himmel

Bei der Kölschen Mess füllen unzählige Jecken die Kirche Sankt Johann Baptist. Pfarrer Herbert Breuer spricht über Masken im Alltag

 

BAD HONNEF. Verkleidete Gläubige im Kirchenschiff von Sankt Johann Baptist, Karnevalisten in Uniformen rund um den Altar, Tollitäten im Ornat, das Klimpern von Orden und Karnevalshits wie „Ich bin ene Räuber“: Zur Kölschen Mess ist vieles anders. Selbst die Pfarrkirche, die nach einem Jahr Renovierungspause erstmals den Jecken wieder zur Verfügung stand, machte auf knatschverdötscht: Das Sonnenlicht schien durch die bunten Fenster und rief bizarre Farbspiele hervor – plötzlich waren graue Säulen kunterbunt von Pink bis Lila.

„Leev Jecke, mer wolle janz noh beim Herrjott sin“, begrüßte Zelebrant Herbert Breuer die große Gemeinde, „mer han enjelade zum Bedde – und fast Tausend sin jekumme!“ Besonders hieß er Prinz Mirko I. aus Aegidienberg, das Klääv-Botz-Kinderprinzenpaar Nadja und Jermey, Prinzessin Constanze aus Unkel und Prinz Michael und Prinzessin Patricia mit Kinderprinz Malte aus Nettersheim willkommen – die Prinzessin aus der Eifel ist die Schwester des Rommersdorfer Schützenkönigs Raphael Path. „Wenn mer he singe, bedde un laache, dann jeit de Himmelspoots ne kleine Spalt op“, sagte Breuer. Die Messe in Mundart in Bad Honnef – ein großes Fest der „Famillich“, innig und herzerwärmend in der kölschen Sproch, andächtig trotz der Kostüme. Der Maskerade widmete sich Breuer auch in seiner Predigt: „Masken, die verbergen, um zu betrügen, das sind nicht unsere! Unsere Masken wollen eher aus uns herauslassen, was wir sonst immer verbergen.“ Und: „Unsere Masken und Rollen betonen einen Aspekt unserer Person.“ Etwa den der Malteser als Nothelfer, denen er unter Applaus für ihren Bereitschaftsdienst während der Messe dankte.

Breuer erzählte eine Geschichte aus seinem Berufsleben („Ich kann nicht gut schimpfen, aber manchmal muss es sein“): Klasse zehn, zwei Mädchen quasselten, und sie hörten auch nur kurz auf, als er sie ermahnte. „Dann habe ich mich aufgeplustert und sie angeschrien: 'Ihr verdammten Weiber, was habt ihr zu schwätzen?!'“Aber: „Vor mir saß Ulrike, sie platzte laut lachend heraus. Meine strenge Lehrermaske platzte, ich musste mitlachen, alle haben wir gelacht.“

Die Stadtsoldaten waren mit einer neuen Fahne eingezogen. Peter Käufer trug sie zur Weihe an den Altar. Die Tollitäten trugen Fürbitten vor. Gebetet wurde „zu unserem Vatter em Himmel“. Stefan Jungheim, der Chef des Festkomitees Bad Honnefer Karneval, dankte allen Mitwirkenden vom TV-Eiche-Spielmannszug bis zu den Rheinbreitbacher Burgbläsern, insbesondere natürlich Pfarrer Herbert Breuer, aber auch den Diakonen Franz Gunkel und Alexander Frey sowie Küster Albert Neuhalfen. Sie alle wurden von den Präsidenten und Tollitäten mit Orden geschmückt. Für Diakon Frey war es eine Premiere: „Das war ein Stückchen Himmel, ein einmaliges, ein großartiges Erlebnis – fröhlich, fromm und frei. Ein Geschenk.“   oro

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 27.02.2019

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