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15.05.1897 - HVZ

*.* Honnef, 14. Mai. Ueber demnächstige Wiederaufnahme von früheren Bergwerksbetrieben im siebengebirge schreibt der "s. B“.: Der Wanderer durch das Gebirge, besonders im südlichen Theile desselben, findet hier und da gewaltige schutthaufen, die aus der Tiefe hervorgeholt, dorthin geschafft wurden. In unmittelbarer Nähe derselben befinden sich jezzt noch die Eingänge zu den schachten und Stollen, die jedoch größtentheils zerfallen sind und kaum noch den früheren Betrieb eines Bergwerkes verrathen.

Die letzten Reste von Gebäuden sind im vergangenen Jahre niedergelegt worden. Hier und da sieht man alte morsche Kreuze von Holz, welche, wie deren kaum noch lesbare Aufschriften sagen, von früheren Bergwerksunternehmern errichtet wurden. Der Betrieb sämmtlicher Werke wurde jedoch bald eingestellt, da der Transport der hervorgeholten Eisen- Blei- und Kupfersteine zum Rheine recht erschwerlich und mit großen Kosten verbunden war und so sich der Betrieb im Ganzen nicht lohnte. Jetzt sollen die Arbeiten in diefen Bergwerken wieder aufgenommen werden. Schon seit vorigem Jahre sind die beiden Werke „Anreb und Zachäus“ und die „Grube zur schönen Aussicht“ in östlicher Richtung vom Oelberge in der Nähe von Aegidienberg wieder in Betrieb gesetzt worden. Daselbst konnten im vergangenen Winter nur wenige Mann beschäftigt werden, da das Abräumen des Schuttes aus den früher angelegten Stollen nur geringe Arbeitskräfte zuließ. Die Zahl der Arbeiter ist nunmehr bedeutend vermehrt worden. - So soll nun auch der Betrieb der alten, in der Gemeinde Aegidienberg gelegenen, theilweise zerfallenen Gruben wieder aufgenommen werden. Es sind deren mehrere: bei Rottbitze, Orscheid, Retscheid und verschiedene im Walde gelegene. Zwei der letzteren trugen früher die Bezeichnungen: „Grube Hochzeit“ und „Grube Kindtauf“. Diese Gruben, in welchen vorzüglich Eisensteingefunden wird, werden in der Folge von Unternehmern aus Berlin wieder in Betrieb gesezt. Mit den Vorarbeiten und dem Anwerben von Arbeitskräften ist ein hiesiger erfahrener Bergmann beauftragt worden. Das suchen nach Arbeitern wird jedoch mit Schwierigkeiten verbunden und wenig erfolgreich sein, da fast alle von der Landwirthschaft abkömmlichen Leute in den benachbarten Basaltsteinbrüchen beschäftigt sind. Daß hierselbst Arbeiter rar sind, zeigt, daß bei einer Quarzitgewinnung fremde und zwar polnische Leute herbeigeholt werden sollen. Von großer Bedeutung für die erneute Betriebsaufnahme vorgenannter Gruben ist unstreitig die Ausführung des schon längst schwebenden Projektes zum Bau einer Schmalspurbahn von Honnef über Aegidienberg nach Asbach, welche auch die Gegenden der Bergwerke berühren wird. Voraussichtlich wird der Bahnbau durch die Wiederaufnahme der Arbeiten in den Bergwerken beschleunigt werden. Es hat die Baugesellschaft mit vielen Terrainschwierigkeiten zu kämpfen; doch sollen dieselben dem Vernehmen nach schon theilweise beseitigt sein.

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