10.04.1902 - HVZ
Aegidienberg, 10. April. Daß auch auf dem Boden unserer Colonien tüchtige Männer sich aus eigener Kraft emporarbeiten können, beweist das Beispiel Franz Osters, des Eisengießers, Maschinenbauers, Schiffbauers und Kunstschmiedes von Tsingtau.
Zugleich aber beweist sein Vorwärtskommen das Interesse, welches Prinz Heinrich für die im Werden befindliche Colonie nimmt. Franz Oster, der auf dem besten Wege ist, der erste Industrielle von Tsingtau zu werden, ist im Jahre 1869 in Aegidienberg geboren. Er erlernte das Schlosserhandwerk, absolvierte nach vollendeter Lehrzeit eine Maschinenbauschule und wanderte danach fünf Jahre lang durch Deutschland und die Schweiz, überall in seinem Berufe thätig. Seiner Militärdienstpflicht genügte er bei der Marine auf der Wörth, deren Kapitän damals Prinz Heinrich war. Zum Marine-Geschützmeister avanscirt, kam Oster in seinem letzten Dienstjahre nah Ostasien, wo er nach seiner Entlassung in Hongkong als Betriebsleiter in eine Maschinenfabrik eintrat. Oster hatte durch seine Tüchtigkeit das persönlihe Interesse des Prinzen Heinrih erweckt, und als dieser 1898 nach Hongkong kam, suchte er Oster in der Fabrik auf und stellte ihm vor, daß in Kiautschou der recht Plat für ihn sei, um sich selbständig zu machen und vorwärts zu kommen.
Oster folgte dem Winke. Er erhielt etwas Geld geliehen und richtete seine erste Werkstatt in Tsingtau in einer kleinen Bretterbude am Hafen ein. Dort begann er die Arbeit mit zwei Gesellen, nach einem Jahre schon mußte er ein größeres Gebäude miethen, und heute ist er der Besitzer einer ausgedehnten Fabrik, in der in der letzten Zeit etwa 250 Mann arbeiten, und Herr einer prächtigen Villa, eines wahren Feenschlößchens. Gegenwärtig baut Oster an dem ersten Dampfboote, das in Tsingtau vom Stapel laufen wird, und plant die Anlage eines Docks. Auch in Tsingtau hat Prinz Heinrich ihm sein Wohlwollen bewiesen und ihn wiederholt in seiner Werkstatt, in der er auch jezt noch oft eigenhändig den Hammer schwingt, besucht.
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