03.01.1922 - HVZ
Woher rührt der Name Mülheim für Honnef? - Mülheim für Honnef? wird mancher Leser verwundert fragen, und mit Recht. Heute ist der erstere Name fast vergessen, und doch hat er zwei Jahrhunderte lang in der Geschichte unserer Vaterstadt eine gewisse Rolle gespielt. Deshalb dürfte wohl die Frage nach seiner Herkunft berechtigt sein.
Wo Pastor Trips erzählt, daß die Franzosen, ehe sie zum Niederbrennen unseres Ortes übergingen, erst verschiedene Honnschaften ausplünderten, da benennt er den um die Kirche liegenden Teil mit zwei Namen: Honnef und Mülheim Kaplan Unkel, der früher an der Rommersdorfer Kapelle gewirkt hat, zog daraus den Schluß, „daß der Name Honnef nicht bloß der Gesamtheit der damaligen 6 Honnschaften, sondern noch speziell der Honnschaft Mülheim zukam, welche, um die Kirche gelagert, die mittlere Partie des Städtchens bildet“ und für die lange Zeit hindurch auch der Name Mülheim gebraucht worden ist. Die folgenden Erwägungen mögen das etwas erläutern.
Es kommt wohl nicht vor, daß ein Ort zwei Namen hat, es sei denn, daß er im Grenzgebiet zweier Völker verschiedener Zunge liegt. Wohl kommen Umbenennungen vor, so z. B. hieß Agidienberg früher Honnefrat, Honneferrott, Honneferrode, weil es eine von Honnefer Einwohnern vorgenommene und bevölkerte Rodung war. Als aber die dortige Kirche immer mehr zum Mittelpunkte der zerstreuten Häusergruppen wurde, als das Selbstbewußtsein der Ansiedler stieg und vollends als 1862 die Trennung von Honnef erfolgte, da war es um den Namen Honneferrott geschehen. Daß in einem solchen Falle beide Namen eine Zeit lang nebeneinander hergehen, ist erklärlich.
Vor der Zeit des Pastors Trips kommt der Name Mülheim in keiner einzigen Urkunde vor, sondern immer nur der Name Honnef oder der Ausdruck „das Dorf von Honnef“ oder „das Dorf Honnef.“ Das einfache Wort „Dorf“ als Bezeichnung für den um die Kirche liegenden Teil unseres Ortes ist bei den Eingeborenen gang und gäbe geblieben, noch lange nachdem Honnef zur Stadt erhoben war.
Nach der Zeit des Pastors Trips kehrt der Name Mülheim regelmäßig in den Rentmeisterei=Rechnungen des Amtes Löwenburg wieder vom Jahre 1732 bis 1807, aber die Angaben sind namentlich in den ältesten Rechnungen so unbestimmt, daß wenig damit anzufangen ist. Einmal läßt der Rentmeister Rommersdorf und Beuel bei Aufzählung der Honnschaften ganz weg und ein andermal bezeichnet er Honnef als Kirchspiel und Mülheim als ein Dorf und Honnschaft.
Der Name Mülheim, der uns sehr häufig begegnet, benennt selbstverständlich einen Ort, der sich in der Nähe einer oder mehrerer Mühlen gebildet hat. Wo aber befinden sich hier Mühlen? Nicht in dem wasserarmen, um die Kirche gruppierten Ortsteile, sondern nur an dem Bache, der aus dem Schmelztal kommend nach seiner Vereinigung mit dem aus dem Mucherwiesentale fließenden Bache stark genug ist, Mühlen zu treiben. Auf der kurzen Strecke vom Zusammenflusse der Bäche bis zum Rheine gab es früher vier Mühlen. Die oberste war durch die Honnschaft Beuel von Honnef getrennt; die beiden mittleren lagen ebenfalls weit von Honnef entfernt und werden auch in den Rentmeisterei=Rechnungen als Selhofer Mühlen bezeichnet. Übrigens ist die kurfürstliche Erlaubnis zum Bau der früher in dem Berghang am Annapfad beim Antoniusstift gelegenen Mühle nachweislich erst 1716 dem Pächter der untersten Mühle, Wilhelm Frantz, erteilt worden. Dieser baute eine Ölmühle (Olligsmühle), und daher heißt die Steigung des Annapfades noch heute der „Olligsberg“.
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