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20.10.1930 - HVZ

Königswinter, 16. Okt. (Gemeinderatsmitglieder vor Gericht) Wieder einmal Beleidigungsprozesse aus Aegidienberg vor dem Königswinterer Amtsgericht, - wieder einemal eine große Anzahl Zeugen und noch viel mehr Zuhörer. Die eine der Klagen lief zwischen zwei Gemeinderatsmitgliedern.

Schauplatz war die Gemeinderatssitzung mit der Etatsberatung gewesen. Angesichts des Fehlbetrages von 17 000 Mark hatte ein Gemeinderatsmitglied vorgeschlagen, das Arzthaus zu verkaufen und aus den zirka 10 bis 12 000 Mark Erlös einen Teil des Fehlbetrages zu decken. Da meinte ein anderes Gemeinderatsmitglied, das Haus sei so schlecht gebaut, daß man keine 5000 Mark dafür bekäme. Diesen Vorwurf wollte der andere, zu dessen Amtszeit als Gemeindevorsteher das Haus gebaut worden war, nicht auf sich sitzen lassen, und da fiel die Beleidigung. Die Zeugenvernehmung gab ein betrübliches Bild von dem vielen Reden und Klatschen; immer wieder hieß es, "es wurde viel darüber geredet". Der Arzt soll die im diesjährigen Gemeinderat wiederholte Aeußerung vor sieben Jahren getan haben, und er erklärte als Zeuge, sich nicht mehr daran zu erinnern. Daß beim Bau des Arzthauses im Jahre 1923 unglaublich gestohlen wurde, scheint festzustehen; man sprach von 80 Liter Oel, vier Zentner Drahtstiften, ganzen Rottannen, größeren Mengen von Kalk, die spurlos verschwunden waren. Als von den Beteiligten immer noch neue Sachen angeführt wurden, meinte der Richter, es solle wirklich nicht aller mögliche Schmutz aufgewühlt werden, der nicht hierher gehöre, dann besser in Gottes Namen noch ein paar neue Klagen. - Die Verhandlung über eine andere Beleidigungsklage aus Aegidienberg wurde vertagt, weil dafür die Akten aus einem anderen Beleidigungsprozeß zugezogen werden sollen. (Bemerkenswert ist, das verschiedene dieser Klagen im Armenrecht durchgeführt werden.)

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