Deutsche Glasfaser sagt den Ausbau des Glasfasernetzes in Aegiendberg und Teilen Selhofs ab
Enttäuschung auf ganzer Linie
Deutsche Glasfaser sagt den Ausbau des Glasfasernetzes in Aegiendberg und Teilen Selhofs ab
Digitale Infrastruktur wird immer wichtiger. Was deren Ausbau angeht, muss Bad Honnef jetzt einen Rückschlag verkraften.
Von Claudia Sülzen
Aegidienberg. Bleibt Aegidienberg zumindest in weiten Teilen ein grauer Fleck auf der Breitbandkarte? Das, so scheint es, dürfte noch auf unbestimmte Zeit so bleiben. Die Deutsche Glasfaser hat der Stadt Bad Honnef mitgeteilt, dass sie sich vom geplanten Ausbau im Bad Honnefer Höhenstadtteil verabschiedet. Ein „Rückschlag mit Ansage“, wie Thomas Heinemann, Vorsitzender des Bürgervereins Aegidienberg, sagt: „Dass die Deutsche Glasfaser auch in Aegidienberg den Ausbau stoppen würde, hatten wir schon vor einigen Monaten befürchtet und die mangelnde Kommunikation kritisiert.“ Für Geschäftsleute, aber auch für Private sei das ein herber Rückschlag. Betroffen ist zudem auch Selhof, so die Stadt.
Denn: Laut Stadtverwaltung wird der ursprünglich vorgesehene Ausbau in den Kernbereichen von Aegidienberg sowie in Teilen von Selhof durch die Deutsche Glasfaser doch nicht umgesetzt. Auch Bürgermeister Philipp Herzog bewertet das als deutlichen Rückschlag: „Diese Mitteilung ist für Bad Honnef und insbesondere für Aegidienberg eine erhebliche Enttäuschung. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich auf die angekündigte Glasfaserperspektive verlassen, Verträge abgeschlossen und zum Teil auch in ihrer Nachbarschaft geworben, damit die Vorvermarktungsquote erreicht wird.“
Die Stadt sei davon ausgegangen, dass auf Basis des im November 2024 geschlossenen Vertrags die Kooperation zwischen der Deutschen Glasfaser und der Stadt Bad Honnef verlässlich weitergeführt werde. „Dass der Ausbau nun nicht kommt, ist für die betroffenen Haushalte schwer nachvollziehbar und lässt sie erneut ohne konkrete Lösung zurück“, so Herzog.
In der Konsequenz würden die bereits eingegangenen Kundenaufträge nicht umgesetzt. Zwar habe das Unternehmen mitgeteilt, dass Kundinnen und Kunden daraus keine Verpflichtungen entstünden. Aber, so Herzog: „Für die Menschen in Aegidienberg ist das ein bitteres Signal. Sie haben zu Recht erwartet, dass nach der erfolgreichen Vorvermarktung auch der nächste Schritt folgt. Stattdessen stehen sie nun wieder am Anfang.“ Der Unmut darüber sei nachzuvollziehen.
Ziel bleibe eine schnelle und zukunftsfähige digitale Infrastruktur für alle Bereiche. Dass die so schnell kommen könne, daran sind laut Heinemann allerdings Zweifel angebracht. „Wenn man den Markt des Glasfaserausbaus durch die Privatwirtschaft ein wenig verfolgt, sind die Prognosen für einen Glasfaserausbau auch für Aegidienberg kurz- und mittelfristig nicht gut. Enorm gestiegene Tiefbaukosten in den letzten fünf Jahren und auch steigende Zinsen für die langjährige Finanzierung derartiger Infrastrukturprojekte machen den Glasfaserausbau für die Anbieter zunehmend unattraktiv.“ Das gelte sogar in dicht besiedelten Städten wie Siegburg und Sankt Augustin, wo andere Anbieter ihren Ausbau eingeschränkt oder sogar gestoppt haben. Heinemann: „Kurz gesagt: Es rechnet sich heute offenbar immer seltener.“
Aktuell gelte: Das Internet über DSL oder 5G-Mobilfunk funktioniere in Aegidienberg ja weiter, „aber mit Abstrichen“. Begrenzte Bandbreiten bei zugleich großen Datenmengen durch Streaming, hybrides Arbeiten, Cloud-Nutzungen, KI-Anwendungen und das private Nutzerverhalten würden weiter steigen, zitiert Heinemann Branchenexperten. „Nicht ohne Grund hat die Bundesregierung das Ziel ausgelobt, bis 2030 alle Haushalte mit Glasfaser zu versorgen. Dieses Ziel muss auch für Aegidienberg gelten“, sagt er.
Die städtische Wirtschaftsförderung sei mit verschiedenen Anbietern für Glasfaser im Gespräch, so Bürgermeister Herzog. Sein Appell zugleich: Bürgerinnen und Bürger sollten ihren Wunsch nach Glasfaser auch beim bisherigen Telefon- und Internetanbieter platzieren. Denn eine hohe Nachfrage sei wichtig, um doch noch ins Ziel zu kommen. Irgendwann.
Die Deutsche Glasfaser teilt auf GA-Anfrage mit, Hintergrund des Rückzugs sei der „Netzausbau durch einen Mitbewerber. Damit vermeidet das Unternehmen einen wirtschaftlich unsinnigen Doppelausbau des Glasfasernetzes und vermindert die Baubelastung für die Anwohner“, so das Unternehmen. Weitere Details über Gründe und den möglichen Mitbewerber ließ das Unternehmen offen.
Ein Doppelausbau einer Glasfaserinfrastruktur sei „volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich Unsinn und ist durch den doppelten Materialeinsatz alles andere als nachhaltig“, so die Pressestelle von Deutsche Glasfaser. Interessenten, die einen Auftrag bei Deutsche Glasfaser eingereicht hätten, erhielten eine Information über den Rückzug aus dem Projekt. Den Kunden entstünden aber keinerlei Verpflichtungen gegenüber Deutsche Glasfaser, so das Unternehmen zum GA.
Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 09.07.2026
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