Ein Leben für die Pferde

SIEBENGEBIRGE

Ein Leben für die Pferde

Jahrzehntelang lebte Walter Feldmann für seine Pferde in Aegidienberg. Mit 76 übergibt er die Zucht an seinen Sohn Frederic. 60 Tiere suchen noch ein neues Zuhause

Walter Feldmann übergibt den Staffelstab im Gangpferdezentrum Aegidienberg.

Walter Feldmanns Sohn Frederic, übernimmt als nächste Generation im Gangpferdezentrum Aegidienberg.

Im Gangpferdezentrum Aegidienberg hielt Walter Feldmann gut 40 Jahre lang im Wortsinn die Zügel in der Hand.

Von Claudia Sülzen

Aegidienberg. Wer von Bad Honnef aus durch das Schmelztal nach Aegidienberg fährt, dürfte spätestens am Kreisel in Himberg erstaunt innehalten: Drei Pferde, als Metallskulptur, begrüßen dort die Ankommenden. Ihren Ursprung hat diese Darstellung darin, dass Aegidienberg, obwohl „nur“ ein Stadtteil von Bad Honnef, eine eigene Pferderasse vorzuweisen hat: den Aegidienberger.

Zur selben Zeit unweit davon im Gangpferdezentrum Aegidienberg der Familie Feldmann: Hunderte der edelsten Gangpferde, Isländer ebenso wie Aegidienberger, tummeln sich in den Paddocks und auf den umliegenden Weiden. Einer, der den Ruf des Gangpferdezentrums Aegidienberg und des Gestüts Feldmann in zweiter Generation zu internationalem Ruf gebracht hat, will fortan etwas kürzer treten und verabschiedet sich in diesen Tagen in den wohlverdienten Ruhestand: Walter Feldmann (76).

Den Staffelstab übergibt Walter Feldmann an Sohn Frederic, auch die Aegidienberger Zucht, wenn auch in dann verkleinerter Form. 60 Pferde des Gestüts, vornehmlich Isländer, aber darunter auch einige Aegidienberger, suchen neue Besitzerinnen und Besitzer. Hengste und Stuten, Jungpferde und bereits eingerittene Pferde ebenso wie solche, die sich als Beistellpferde qualifizieren, stehen darum zum Verkauf an.

Für sie gesucht werden „Lebenstellungen“, wie Walter Feldmann besonders betont, umsorgt und gepflegt wie es sich gehört. „Das ist uns besonders wichtig“, sagt die Züchterlegende. „Horsemanship“, also der höfliche Umgang mit dem Pferd, Sicherheit und Vertrauen und feine Hilfen vom Sattel wie vom Boden aus, werden auf dem Gestüt in Aegidienberg von jeher groß geschrieben. Walter Feldmann hat auch eigene Prüfungen entwickelt, die längst Standard sind.

Die Geschichte des Gangpferdezentrums geht weiter in der nächsten Generation. Walters Sohn Frederic (27) übernimmt, wenn auch, was die Zucht angeht, eben ein wenig abgespeckt. Zur Historie: Ab den 60er Jahren baute Frederics Großvater, der Verleger Walter Feldmann senior, verstorben 2005, mit seiner Frau Magarete das Gestüt am Rande des Siebengebirges auf.

„Wenn ich auf dem Pferd sitze, vergesse ich alles“ - Frederic Feldmann, Gangpferdezentrum Aegidienberg

Anfangs noch ein reiner Hobbybetrieb mit „normalen“ Warmblütern und einer kleinen, feinen Vollblutzucht, stieß der Gründer um 1963 auf die Islandpferde: Es war der Beginn einer Leidenschaft und einer Reise, die heute mit Sohn Walter und in dritter Generation eben Enkel Frederic fortgeschrieben wird. Und die noch lange nicht zu Ende ist, wenn jetzt die nächste Generation den Staffelstab übernimmt.

Die Nachfolge ist auch in der Zucht gesichert, versichern Walter und Frederic Feldmann beim Rundgang über das Gestüt. Zugleich ist Frederic Feldmann ein äußerst erfolgreicher Reiter und auch als solcher viel unterwegs. „Wenn ich auf dem Pferd sitze, vergesse ich alles“, sagt er. An Erfahrung mangelt es ihm nicht: Er hat schon an Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen – so mit Stute Röskva und, versehen neben der deutschen zusätzlich mit der österreichischen Staatsbürgerschaft der Mutter, als Mitglied des österreichischen Nationalkaders. Aber nicht nur der Wettkampf treibt ihn um. „Die Zucht ist auch Sucht“, findet der Filius. Das Vermächtnis der Familie, das sterbe nicht aus.

Auch wenn sich Walter Feldmann senior in den Ruhestand verabschiedet, die Aegidienberger- Zucht bleibt ein Standbein. Es seien „taktreine Vierbeiner“, sagt Walter Feldmann, „gemütlich“ übrigens für den Reiter im Tölt, sagt er. Das sei ein besonderes Merkmal der Gangpferde und damit auch des Aegidienbergers, der am Rande des Siebengebirges seinen Ursprung hat.

Der Aegidienberger ist eine Kreuzung aus den Gangpferderassen Pesu Peruano und Islandpferd, das eine ein wenig schlanker als das andere, beide aber ausgestattet mit zusätzlichen Gangarten und einem robusten, positiven Wesen.

In zweiter Generation baute Walter Feldmann ab 2005 das Gangpferdezentrum Aegidienberg (GPZ) auf. Längst ist das GPZ ein Name, in dem sich nicht nur die Öffnung des Gestüts gegenüber töltenden Pferderassen widerspiegelte, sondern das auch weithin anerkannte Expertise in der Gangpferdereiterei hat. Gemeinsam mit Andrea-Katharina Rostock fertigte Walter Feldman zudem das Standardwerk „Islandpferde Reitlehre“ – in Kennerkreisen längst als „Blaue Bibel“ bezeichnet. Es gilt als wichtigstes deutsches Grundlagenbuch für die Gangpferdereiterei bis heute.

Röskva scheint das alles nicht zu tangieren. „Tick-tack-tick-tack“, ihr Tölt ist einfach perfekt, kein Metronom könnte es besser abbilden. Das Zusammenspiel aus Reiter Frederic Feldmann und Röskva ist einfach perfekt. Die edle Isländerstute bleibt dem Gangpferdezentrum natürlich erhalten. Und auch der ein oder andere Aegidienberger Nachwuchs wird sich in Zukunft wieder auf den Weiden tummeln.

GANGPFERDE - Eine Grundgangart mehr

Als Gangpferde bezeichnet man Pferde, die über die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp hinaus genetisch bedingt weitere Spezialgangarten beherrschen. Dies ist allem voran der Tölt; ebenso gehört dazu der Pass.

Beim Tölt handelt es sich um eine taktklare Viertakt-Gangart, bei der sich das Pferd immer mit mindestens einem Bein am Boden befindet. Das sorgt für erschütterungsfreies Sitzen. Gangpferde sind idealen Begleiter sowohl für den Freizeit-, als auch für den Turniersport. Informationen zum Gestüt Gangpferdezentrum Aegidienberg gibt es unter gangpferdezentrum.de. suc

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 05.06.2026


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Jahrzehntelang lebte Walter Feldmann für seine Pferde in Aegidienberg. Mit 76 übergibt er die Zucht an seinen Sohn Frederic. 60 Tiere suchen noch ein neues Zuhause