Freiwilligenaktion des BUND: Eine Waldfläche in Aegidienberg soll für die scheuen Tiere umgestaltet werden
Ein Paradies für Wildkatzen
Freiwilligenaktion des BUND: Eine Waldfläche in Aegidienberg soll für die scheuen Tiere umgestaltet werden
Bei Aegidienberg soll eine Waldfläche wildkatzenfreundlich gestaltet werden.
Von Gabriela Quarg
AEGIDIENBERG. Auf leisen Pfoten haben sie Einzug in die heimischen Wälder gehalten: Auch im Siebengebirge fühlen sich seit einigen Jahren wieder Wildkatzen wohl. Mindestens 25 Tiere sind dort im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW nachgewiesen worden. Da diese Zahl bereits zwischen Januar und März 2025 ermittelt worden ist und auch nur auf Staatsforstgebiet, ist davon auszugehen, dass mittlerweile sogar noch mehr Tiere durch die Wälder zwischen Bad Honnef und Königswinter streifen – zumal im Frühjahr die Zeit ist, in der die Katzen ihren Nachwuchs groß ziehen.
„Wir rechnen damit, ordentlich Nachwuchs zu bekommen“, prophezeit Biologin Katharina Stenglein , die das Wildkatzenprojekt koordiniert. Um der wachsenden Population optimalen Lebensraum zu bieten, ruft der BUND für Samstag, 13. Juni, zu einer Freiwilligenaktion auf: Unter dem Motto „Für die Wildkatze aktiv: gemeinsam anpacken im Siebengebirge“ soll im Stadtwald bei Aegidienberg eine Fläche als zukünftiger Wildkatzenwald vorbereitet werden. Und dafür wird eine Menge „Manpower“ benötigt.
Die Naturschützer möchten ein großes Areal nahe dem Stellweg, eine ehemalige Fichten-Kahlschlagfläche, attraktiver für die Wildkatze machen. Einiges ist im Vorfeld bereits geschehen: „Um die Fläche im Sinne der Wildkatze umzugestalten, hat die Stadtförsterei dort bereits verschiedene Heckenpflanzen gepflanzt“, berichtet Stenglein. Wildkatzen bevorzugten strukturreiche Lebensräume, Hecken gehören unbedingt dazu, da sie den Tieren Versteckmöglichkeiten bieten. Besonders wichtig ist dies an Waldrändern im Übergang zu freien Flächen, die die Katzen zur Mäusejagd nutzen.
Nun hat sich allerdings auf der Fläche, die zum Wildkatzenwald heranwachsen soll, der Adlerfarn ausgebreitet, „und der ist so dominant, dass er die jungen Bäume und Sträucher überwuchert“. Umso wichtiger ist es, den unerwünschten Farn jetzt zurückzudrängen. Das allerdings muss von Hand geschehen, was durchaus aufwendig ist – daher die Freiwilligenaktion. Der BUND hofft nun, dass sich viele bereit erklären, dem Naturschutz und ganz speziell der Wildkatze einige Stunden ihrer Zeit zu „spenden“, und mitmachen. Damit die Teilnehmer gestärkt ans Werk gehen können, ist für Verpflegung gesorgt.
Einziger Wermutstropfen: Eine leibhaftige Wildkatze wird man bei der Aktion mit ziemlicher Sicherheit nicht zu Gesicht bekommen. „Die Wildkatze ist ja sehr scheu und auch bevorzugt in der Dämmerung und nachts unterwegs“, erklärt Stenglein. Daher ist auch bei einem Waldspaziergang eine Zufallsbegegnung eher unwahrscheinlich. Der Katzennachwuchs, der zumeist im April das Licht der Welt erblickt, ist da bisweilen neugieriger. „Es kann durchaus sein, dass die Wildkatzenmutter einen Holzpolter als Versteck nutzt und die Kleinen dann tagsüber darauf herumklettern.“
Wer also zufällig graugetigerte Kätzchen sieht, sollte auf jeden Fall Abstand halten und die Tiere auf keinen Fall anfassen oder mitnehmen. „Die Mutter ist wahrscheinlich gerade am mäuseln, also auf der Jagd“, so Stenglein. Wer sich unsicher ist, ob die Tiere vielleicht doch Hilfe benötigen oder ob es sich um ausgesetzte Hauskatzen handelt, sollte einige Stunden später noch einmal zurückkommen. Machen die Kätzchen dann lautstark auf sich aufmerksam, liegt der Verdacht nahe, dass sie tatsächlich in Not sind. Hilfe im „Wildkatzennotfall“ leistet im Siebengebirge die Wildtierstation Retscheider Hof, Notfallnummer 02224/97690820, www.retscheider-hof.de .
Eine Wildkatze kann bis zu zweimal im Jahr jeweils bis zu vier Kitten bekommen. Die Sterblichkeit der jungen Wildkatzen ist laut Stenglein allerdings sehr hoch, nur 25 Prozent würden das erste halbe Jahr überleben. Viele fallen Fuchs, Marder oder auch dem Uhu zum Opfer. Zu den größten Gefahren für erwachsene Tiere zählen wiederum der Straßenverkehr, aber auch Lebensraumverluste und die Zerschneidung von Lebensraum, unter anderem durch Zäune.
Auch wenn im Siebengebirge in den Wintermonaten 2026 keine Lockstäbe aufgestellt worden sind, so ist das Wildkatzen-Projekt noch lange nicht beendet. „Die Beobachtungen laufen weiter und wir nehmen auch Meldungen über Sichtungen entgegen“, so Stenglein. Auch die Maßnahmen zur Gestaltung der Wildkatzenwälder von morgen werden fortgesetzt. „Dabei geht es zum Beispiel um die Aufwertung von Waldrändern und die Umgestaltung von Bereichen, die für die Wildkatze noch nicht so optimal sind.“
Die geschickten Jäger bevorzugen strukturreiche Lebensräume: „unaufgeräumte“ Mischwälder mit jungen und alten Bäumen, Sträuchern, Bodenbewuchs und viel Totholz, dazu Offenlandbereiche zum Mäusefangen und Bachläufe, an denen die Katzen entlangwandern können. All das ist im Siebengebirge vorhanden, muss aber eben, wie in Aegidienberg, stellenweise noch optimiert werden. Damit künftig noch mehr Wildkatzen durch die heimischen Wälder streifen.
Die Bedenken, dass die wachsende Wildkatzenpopulation der heimischen Vogelwelt schaden könnten, kann Stenglein entkräften: „Wildkatzen ernähren sich zu 90 Prozent von Mäusen.“ Vögel seien viel umständlicher zu jagen und könnten, im Gegensatz zur Maus, nicht mit Haut und Haar verspeist werden. „Das Ganze macht also schon energetisch für die Wildkatze keinen Sinn.“
Anmeldungen zur Freiwilligenaktion am Samstag, 13. Juni, von 10 bis 16 Uhr in Aegidienberg per E-Mail an wildkatze(at)bund-nrw(dot)de.
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Wildkatze oder Hauskatze?
Eine Katze im Freiland als Wildkatze zu erkennen, ist sehr schwierig – erst recht, wenn es sich um eine graugetigerte Hauskatze handelt. Laut BUND NRW wirkt die Wildkatze wegen ihres dichteren, dicken Fells kräftiger und größer als eine Hauskatze. Typische Merkmale der Wildkatze sind zudem der breite, wuchtige Kopf, die rosa Nase und der dicke Schwanz mit schwarzen Ringen und dem schwarzen, stumpfen Ende. Die Tigerung auf dem grau-beigen Fell der „Felis silvestris“ ist zumeist verwaschen. Typisch ist auch der dunkle Aalstrich auf dem Rücken, der am Schwanzansatz endet. Das Fell junger Wildkatzen ist in den ersten Lebensmonaten noch deutlich getigert und erhöht so zusätzlich die Verwechslungsgefahr mit Hauskatzen. Weitere Infos zur Wildkatze unter www.bund-nrw.de. qg
Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 28.05.2026
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