Verein will altes Fachwerkhaus in Aegidienberg retten
SIEBENGEBIRGE
Verein will altes Fachwerkhaus in Aegidienberg retten
Verein will den Abriss des Fachwerkhauses von Käthe Stens verhindern. Bürgerzentrum steht auf der Wunschliste
Neben dem Haupthaus gehören zum Anwesen Höveler Straße 1 Nebengebäude wie der ehemalige Stall.
Von Claudia Sülzen
Aegidienberg. „Da saß Käthe immer auf ihrer Bank unter dem Baum, inmitten ihrer Blumen“, sagt Monika Lutz. Die Rede ist von Käthe Stens, ihrer Nachbarin. Das Anwesen Höveler Straße 1 der vor gut einem Jahr Verstorbenen steht jetzt zum Verkauf. Darunter ein Fachwerkhaus, Baujahr 1890, mit später angebauter Scheune und Stall, wo einst die Kühe und auch zwei Arbeitspferde der Landwirtschaft der Familie untergebracht waren. Das Haus hatte Käthe Stens Jahrzehnte bewohnt. Um es vor dem Abriss zu retten, hat sich eine Initiative gegründet. Seit Kurzem steht dahinter ein Verein, der hofft, das Fachwerkhaus kaufen und zum Bürgertreffpunkt machen zu können. Mit-Erbe Gottfried Stens indes befürchtet auch nach externer Expertise, das Haus ist nicht zu retten. Auch zu seinem Leidwesen.
Ein ambitioniertes Vorhaben wären Kauf und Sanierung so oder so, das wissen auch die Vereinsgründerinnen: Immerhin stehen für das gesamte Areal aktuell 925.000 Euro in Rede. „Das ist meine Hunderunde“, sagt Kerstin Salchow. Schon immer habe sie das Haus samt Nebengebäuden bewundert, ein Zeitzeugnis, wie sie sagt. Salchow, Lutz, Monika Beckmann und weitere Aktive gründeten den „Förderverein Käthes Fachwerkhaus Aegidienberg“. Das Ziel qua Satzung in Kürze: die ideelle und finanzielle Förderung von Projekten zur Schaffung von Dorfgemeinschafts- und Mehrfunktionshäusern und die Unterstützung von Begegnungsorten für Vereine, Gruppen und die Bevölkerung insgesamt.
Realisiert werden soll all das durch Erwerb des Hauses sowie dessen Restaurierung für die Satzungszwecke. Auch ein kleines Heimatmuseum sei denkbar, so hoffen die Aktiven. Das Haus steht leer, nachdem die 97-jährig verstorbene Käthe Stens bereits Jahre zuvor in eine Senioreneinrichtung umgezogen war. Seither kam sie regelmäßig mit ihrem Sohn zu Besuch in ihren Garten. Ihr Sohn selben Vornamens wie der schon 1998 verstorbene Vater Gottfried Stens pflegt alles akribisch bis heute.
Nun aber soll es verkauft werden. Es wäre schlicht nicht finanzierbar, es zu sanieren, sagt Stens: „Es ist einfach zu kaputt.“ Das Exposé eines Maklers bewirbt ein „Baugrundstück für 20 Wohneinheiten in Toplage Bad Honnef-Aegidienberg“ mit erweiterbarer Grundstücksfläche. Es gibt eine genehmigte Bauvoranfrage, wie die Stadt Bad Honnef auf GA-Anfrage bestätigte. Für das Gebäude sei keine Abbruchgenehmigung erforderlich, da es „keine ausreichenden denkmalrechtlichen Gründe gegen einen Abriss“ gebe, so die Stadt weiter; Denkmalschutz besteht ohnehin nicht. Eine Handhabe gegen den Abbruch bestehe seitens Bauaufsicht und Unterer Denkmalbehörde daher nicht.
Eben das, so befürchtet die Initiative, würde beim Verkauf an einen Investor für das Haus das Aus bedeuten: Schon für eine Zufahrt zum Gelände müsste es fallen. Die Initiative formulierte einen Bürgerantrag. Am 9. Juni soll der im städtischen Planungsausschuss beraten werden, so die Stadtverwaltung. Dorthin hatte der Haupt- und Finanzausschuss den Antrag verwiesen, dessen Ziel es ist, die Entwicklung des Grundstückes zu überprüfen.
Die Initiative ist sicher: Kauf und Sanierung von Haus und Hof gleich neben dem Separatistendenkmal samt Tafeln des Geschichtsweges wären eine Chance, historische Bausubstanz zu erhalten und zugleich dem Manko an Treffpunkten entgegenzuwirken. Der Kauf „wäre der erste Schritt“, so Salchow: „Der Kursaal wurde für Millionen von Euro saniert. Aber auch die sogenannten `kleinen Leute` haben die Gegend geprägt.“ Weitere „charakterlose Neubauten“ brauche es nicht. Schon die alten Bäume, darunter die kapitale Kastanie vor dem Haus, seien für sich erhaltenswert.
Die Initiative will Spenden einwerben; auch Eigenleistung erhofft sie sich, etwa durch ansässige Handwerker. Beispiele, dass so etwas gelingen könne, gebe es. So sei seinerzeit das Marienhaus der katholischen Kirche gerettet worden, „die Aegidienberger haben sich gewehrt, sodass es schließlich saniert wurde“, so Salchow. Und auch das Bürgerhaus sei mit viel Eigenleistung entstanden.
„Ich bin in dem Haus geboren, ebenso meine Schwester. Natürlich würde es uns wehtun, wenn es abgerissen werden muss. Aber man muss das realistisch sehen“, hält der 67-jährige Stens entgegen. Ein Sturmschaden am Dach ist da nur einer der Punkte. Giebel, Zwischendecken, alles ist erkennbar marode. Mit einer Drahtkonstruktion, die Stens im Inneren verankert hat, werden kaputte Gefache an Ort und Stelle gehalten. Stens: „Das Haus atmet Geschichte. Aber es ist leider ein Fass ohne Boden.“ Aus dem Bauch heraus sei diese Erkenntnis nicht: Auch Experten, darunter vom Denkmalschutz, unterstützten es.
„Eigentlich hatten wir geplant, einen Hausflohmarkt zu veranstalten. Aber selbst davon haben wir Abstand genommen“, sagt Stens. Zu groß sei die Gefahr, schon aus versicherungstechnischen Gründen, dass „jemandem etwas auf den Kopf fällt“. „Betreten verboten. Eltern haften für ihre Kinder“: Nicht umsonst habe er den Hinweis angebracht.
Was das Innere des Hauses angeht – von außen sichtbar sind noch die Vorhänge, die seine Mutter angebracht hat, – sind Dinge von Wert längst entfernt, ebenso das Gros persönlicher Erinnerungen wie Fotos der Familie, die er just an diesem Tag in den Kofferraum packt. Nur noch wenig erinnert an die alte Dame, darunter ihr Ornat als Aegidia Käthe 1974, das sie zum 50. Jubiläum 2024 im Seniorenheim erneut anzog.
„Das Haus hat jede Menge Geschichte. Aber es ist leider nicht zu retten“, sagt Stens. Der Verein hingegen hofft, das Ruder noch herumreißen zu können. Und wirbt dabei um Unterstützung aus dem Ort.
Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 21.05.2026
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