Er­neu­te Hut­samm­lung für die Flut­op­fer

Administrator (admin) on 09.08.2021

Bei der „Mu­sik im Vee­del“ ver­zich­tet „Au­tumn Nights“ auf die Ga­ge. Ae­gi­dien­ber­ge­rin be­rich­tet über Hilfs­ak­ti­on

Er­neu­te Hut­samm­lung für die Flut­op­fer

Bei der „Mu­sik im Vee­del“ ver­zich­tet „Au­tumn Nights“ auf die Ga­ge. Ae­gi­dien­ber­ge­rin be­rich­tet über Hilfs­ak­ti­on

 

Von Ros­wi­tha Osch­mann

AE­GI­DIEN­BERG. | Am Him­mel hin­gen dunk­le Wol­ken. Und die Sel­ho­fer Band „Au­tumn Nights“ star­te­te bei „Mu­sik in Vee­del“ auf dem Ae­gi­di­us­platz auch noch mit dem Ti­tel „Let it Rain“. Et­was frü­her als ur­sprüng­lich ge­plant er­tön­ten die ers­ten Klän­ge, denn Ver­an­stal­ter und Or­ga­ni­sa­tor, KG Lös­ti­ge Ge­sel­le und Rai­ner Hom­bü­cher, fürch­te­ten schon, dass Re­gen dem Open-Air-Kon­zert ein früh­zei­ti­ges En­de be­sche­ren könn­te. Und tat­säch­lich: Die Band­mit­glie­der muss­ten frü­her als ge­dacht die In­stru­men­te ein­pa­cken.

Der Re­gen – fast war er schon sinn­bild­lich. Denn auch das zwei­te „Mu­sik im Vee­del“ der Sai­son 2021 stand ganz im Zei­chen der Hil­fe für die Flut­op­fer. Bei der üb­li­chen Hut­samm­lung ka­men dies­mal 700 Eu­ro zu­sam­men. Die Mu­si­ker - Björn Kü­ken­thal (Sa­xo­phon und Ak­kor­de­on), Bert Ley­en­de­cker (Gi­tar­re), Frank Weinz (Bass), Mar­tin Ka­bath (Ca­j­on) so­wie die Sän­ger Re­bec­ca Lind­lahr, Sa­bri­na Iaco­na und Ro­bert Schlü­ter - ver­zich­te­ten kom­plett auf ih­re Ga­ge.

Gro­ße Hil­fe trotz Kon­zertab­bruchs

Mu­si­ka­lisch er­leb­te das Pu­bli­kum al­so nur ei­ne Halb­zeit und be­dau­er­te sehr, das Pro­gramm nicht kom­plett hö­ren zu kön­nen. Mit „Au­tumn Nights“ war nach der ers­ten Co­ro­na-Wel­le 2020 das For­mat „Mu­sik im Vee­del“ ent­stan­den, des­sen Pre­mie­re da­mals in Ae­gi­dien­berg statt­fand. Metz­ger­meis­ter Witt brut­zel­te auch dies­mal am Grill. Das Ca­fé Schlim­bach ver­sorg­te die Be­su­cher mit Ge­trän­ken, auch nach dem Ab­bruch.

Ge­sprächs­stoff gab es ge­nug. Denn kurz vor Ein­set­zen des pras­seln­den Re­gens be­rich­te­te Da­nie­la Ra­ta­jczak von ih­ren Hilfs­ak­tio­nen in Sa­chen Flut­ka­ta­stro­phe. Sie schil­der­te das Leid der Men­schen in den Ka­ta­stro­phen­ge­bie­ten und von ei­ner neun­köp­fi­gen Fa­mi­lie aus Ahr­wei­ler, für die kon­kret die Spen­de die­ses Kon­zer­tes be­stimmt ist. Auch der Er­lös des ers­ten Vee­del-Kon­zerts in Hö­he von 1 200 Eu­ro ging an die Be­trof­fe­nen, die ihr Haus ver­lo­ren und nun in Gels­dorf auf 40 Qua­drat­me­tern Un­ter­schlupf ge­fun­den ha­ben. Der Va­ter ar­bei­tet bei Ede­ka in Ahr­wei­ler – das Ge­schäft ist eben­falls zer­stört.

Ra­ta­jczak schil­der­te, wie sich die Fa­mi­lie von Stock­werk zu Stock­werk nach oben und dann aufs Dach ret­te­te, von wo sie spä­ter von Hub­schrau­bern ge­bor­gen wur­den. Die sie­ben Kin­der zwi­schen drei und 18 Jah­ren sträu­ben sich bis heu­te, zum Ka­ta­stro­phen­ort zu­rück­zu­keh­ren. Das jüngs­te Kind ist zu­dem herz­krank. „Die Leu­te hat­ten nur noch das, was sie auf dem Leib tru­gen. Wir wol­len ver­su­chen, ein Au­to für die Fa­mi­lie zu be­schaf­fen“, so Ra­ta­jczak. „Schwie­rig wird es, für ei­ne so gro­ße Fa­mi­lie ei­ne Woh­nung zu be­kom­men. Aber die El­tern ma­chen das Bes­te aus der Si­tua­ti­on, las­sen sich nicht un­ter­krie­gen.“

Die Ae­gi­dien­ber­ge­rin in­for­mier­te auch über ih­re Hilfs­ak­ti­on, die mit Hil­fe­ru­fen von Freun­den von der Ahr aus­ge­löst wur­de. Als noch die Han­dys funk­tio­nier­ten, hat­te sie be­stürz­te An­ru­fe er­hal­ten von Freun­den, de­nen das Was­ser im Wort­sin­ne bis zum Hals stand. „Wir ha­ben Angst, das Was­ser steigt im­mer hö­her“, hieß es da. Oder: „Kannst du ver­su­chen, un­se­re Toch­ter zu er­rei­chen, die ist noch un­ter­wegs.“ Die 39-Jäh­ri­ge er­hielt auch ein Vi­deo von der Ahr, das ei­nen Ein­blick in das schau­er­li­che Ge­sche­hen über­mit­tel­te. Am Mor­gen fuhr Ra­ta­jczak nach Bad Müns­ter­ei­fel, wo sich ei­ni­ge Be­woh­ner des Or­tes fil­men lie­ßen mit dem Hin­weis: „Wir le­ben noch, aber uns feh­len Leu­te.“

Über ih­ren So­ci­al­me­dia-Ac­count „lalaund­flu­se“ pos­te­te die Ae­gi­dien­ber­ge­rin die­se In­for­ma­tio­nen – so soll­ten Schick­sa­le ge­klärt wer­den; das war aber auch der Start zur Ka­ta­stro­phen­hil­fe. Ei­ne Mil­li­on Men­schen er­reich­te der Hil­fe­ruf. Und von über­all her traf Hil­fe ein.

Ra­ta­jczak or­ga­ni­sier­te die Lo­gis­tik und den Ab­trans­port von knapp 1000 Um­zugs­kar­tons an Hilfs­gü­tern, La­ger für Hilfs­gü­ter und auch ei­ne Sam­mel­ak­ti­on in Bad Hon­nef. 310 40-Ton­ner aus ganz Deutsch­land von Fir­men und Pri­vat­leu­ten wa­ren un­ter­wegs. Be­klei­dung, Hy­gie­ne­ar­ti­kel, Bau­trock­nungs­ge­rä­te, Werk­zeug, Pum­pen. Hoch­druck­rei­ni­ger: Al­le Spen­den konn­ten über sie in die Flut­ge­bie­te ge­bracht wer­den. Auch nach Pe­pins­ter in Bel­gi­en und Vicht im Kreis Stol­berg schick­te sie Hilfs­gü­ter. Sie ver­mit­tel­te eben­so Shut­tle-Mög­lich­kei­ten für Hel­fer und Fe­ri­en­woh­nun­gen für Flut­op­fer. Und sie ap­pel­lier­te an die Kon­zert­be­su­cher, auch wei­ter­hin Hil­fe zu leis­ten.

 

Da­nie­la Ra­ta­jzak be­rich­te­te.

Die Ae­gi­dien­ber­ge­rin Da­nie­la Ra­ta­jczak (39) ist seit 2020 CDU-Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­te. Die Bank­kauf­frau, Im­mo­bi­li­en­kauf­frau und Di­plom-Kauf­frau, die ein Im­mo­bi­li­en-Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men lei­tet und Mut­ter von fünf Kin­dern ist, star­te­te ei­ne im­mense Hilfs­ak­ti­on für die Flut­op­fer – es ist ver­mut­lich ei­ne der grö­ß­ten Geld- und Sach­spen­den­ak­tio­nen, die für die Flut­op­fer or­ga­ni­siert wur­de.

Was gibt Ih­nen die­ser Ein­satz?

Da­nie­la Ra­ta­jczak: Ich ha­be ge­se­hen, wie So­ci­al­me­dia wirkt. Oh­ne die­se Mög­lich­keit wä­re die Hil­fe nicht so schnell mach­bar ge­we­sen. Ich bin be­ein­druckt von die­ser un­glaub­li­chen So­li­da­ri­tät mit den Men­schen. Ich ha­be mit vie­len Fir­men aus der Um­ge­bung zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, die zu je­der Ta­ges- und Nacht­zeit an­sprech­bar wa­ren. Hil­fe kam dar­über hin­aus aus ganz Deutsch­land. Und: Die be­trof­fe­nen Men­schen sind un­glaub­lich dank­bar.

Wie sind Sie auf die Fa­mi­lie ge­sto­ßen, die nun von „Mu­sik im Vee­del“ un­ter­stützt wird?

Ra­ta­jczak: Ich hat­te mit der Mut­ter vor­her schon mal über die So­zia­len Me­di­en Kon­takt und bin nach der Flut mit ihr in Ver­bin­dung ge­tre­ten. Seit­her ha­be ich die Fa­mi­lie be­reits vier­mal ge­trof­fen.

Wer Hil­fe leis­ten möch­te, soll­te was tun?

Ra­ta­jczak: Jetzt sind Geld­spen­den sehr wich­tig. Aber wer an Ort und Stel­le an­pa­cken möch­te, soll­te sich an der Shut­tle­stel­le in der Graf­schaft ein­fin­den. Dort wer­den die Hel­fer in­stru­iert und von dort an den Ein­satz­ort ge­bracht. Im In­ter­net gibt es die In­for­ma­tio­nen da­zu, ein­fach am Abend vor­her ab­fra­gen. Über da­nie­la.​rat​ajcz​ak@​gmx.​de bin ich für Hel­fer zu er­rei­chen.

 

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 09.08.2021

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