Ganztagsschule braucht mehr Platz

Administrator (admin) on 21.11.2019

Verwaltung prüft Erweiterung der OGS in Selhof durch den angrenzenden Archivraum
Ganztagsschule braucht mehr Platz
Verwaltung prüft Erweiterung der OGS in Selhof durch den angrenzenden Archivraum

 

Von Claudia Sülzen
Bad Honnef. So viel, vor allem so junges Publikum ist selten im Schulausschuss. Am Dienstag füllten sich die Zuschauerreihen im großen Ratssaal unter anderem mit künftigen i-Dötzchen. Das Thema, das ihren Eltern auf den Nägeln brennt, heißt Offene Ganztagsschule (OGS). Konkret gemünzt war das auf die Sankt Martinus-Schule in Selhof. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass die insgesamt 100 dort zur Verfügung stehenden OGS-Plätze nicht ausreichen werden, um ab Sommer genug Platz für dann startende Erstklässler bieten zu können. Die einstimmige Antwort der Kommunalpolitik darauf: Die Verwaltung soll jetzt zeitnah alle Möglichkeiten prüfen, wie die OGS durch den angrenzenden Archivraum zu erweitern ist.
 Genau das hatte der Bürgerblock zum Antrag erhoben. Ratsmitglied Carolin-Julia Dißmann: „Und das darf sich auch nicht wie Kaugummi in die Länge ziehen.“ Nur eine Krux dabei, so befanden es zumindest anwesende Eltern: Erst im März wird der Ausschuss voraussichtlich wieder beraten – für Mütter und Väter, die in knapp zehn Monaten auf den OGS-Platz angewiesen sind, ein wahrlich später Zeitpunkt. Man brauche Planungssicherheit, denn „ohne OGS-Platz kann ich meinen Job an den Nagel hängen“, so eine Mutter am Rande der Sitzung.

Bundesregierung plant
Rechtsanspruch auf Betreuung

Erster Beigeordneter Holger Heuser wies zugleich auf einen anderen wichtigen Punkt hin: Die akute Not falle zusammen mit dem von der Bundesregierung geplanten Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen. Auch angesichts dessen müsse man die Weichen stellen, und das langfristig: „Wir brauchen eine Antwort auf die Frage, wie wir die OGS generell entwickeln“, so Heuser.
Ein Punkt, der auch die Vertreter der Fraktionen umtreibt. Hansjörg Tamoj (CDU): „Wir unterstützen den Antrag ausdrücklich. Alle Schulen sollten ihre Möglichkeiten ausschöpfen können.“ Es sei aber ebenso richtig und wichtig, die Frage des Rechtsanspruches ab 2025 einzubeziehen. Denn, so Tamoj: Nur an „Provisorien rumzubasteln“ werde dem pädagogischen Anspruch an die Ganztagsbetreuung nicht gerecht. Zumal, so Martina Ihrig (FDP), die OGS ein Standortfaktor sei und für Familien bei der Wahl des Wohnortes mitentscheidend. Werner Sünnen (SPD): „Die Koalition in Berlin fasst Beschlüsse, die wir umsetzen müssen. Man muss die OGS zur Chefsache machen. Wir brauchen kindgerechte, sachgemäße Lösungen.“Klarheit über die Anmeldezahlen für das Schuljahr 2020/2021 wird es laut Silke Kornstädt, Geschäftsführerin des Stadtjugendrings als Träger von vier der fünf Offenen Ganztagsschulen, übrigens erst Ende Dezember geben; bis dahin müssen alle Anmeldungen vorliegen. „Aber es zeichnet sich jetzt schon ab, dass es in Selhof eine Warteliste geben wird“, so Kornstädt. 54 Kinder sind laut Rita Bachmann, Sprecherin der Grundschulleitungen im Ausschuss, für das neue Schuljahr in Selhof angemeldet; 14 heutige Viertklässler verlassen im Sommer die OGS. Da die Nachfrage in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sei und heute bei sicher 50 Prozent liege, zeichne sich also eine erhebliche Unterdeckung ab, so auch Jochen Agte (Grüne). Zügiges Handeln tue Not, ergänzte sein Fraktionskollege Michael Oswald: „Wenn es aktuell brennt, muss man etwas tun.“Neu ist die Idee mit dem Archivraum freilich nicht. Bereits vor zwei Jahren war eine eventuelle Mitnutzung durch die OGS Thema, wurde dann aber wegen bauordnungsrechtlicher Bedenken verworfen. Annette Hillebrand, bis vor Kurzem Vorsitzende des Stadtelternrates, wusste sogar von einer ersten Begehung vor sieben Jahren zu berichten. Passiert aber sei bislang nichts. Laut Heuser wären in jedem Fall Investitionen nötig, schon wegen der Sicherheit wie der Frage eines Fluchtweges.Da der Archivraum aus Verwaltungssicht bislang immer ausfiel, wurden im Schuljahr 2017/2018 Räume im Pfarrheim angemietet und die Bis-Mittag-Betreuung dorthin ausgelagert. Keine zwei Jahre später ist die OGS in Selhof nun wieder an ihre Grenzen gekommen. Eine Nutzung des Archivraumes schloss Kornstädt keineswegs aus, „wenn man ihn entsprechend mordernisiert. Mehr Räume sind auch in unserem Sinne.“ Die vor zwei Jahren ertüchtigte Küche sei ausreichend, um mehr Kinder zu versorgen. Klar sei aber auch: In den heutigen OGS-Räumen könne kein Kind mehr aufgenommen werden als aktuell dort schon betreut werde.

26 Kinder stehen auf Wartelisten
Angebot ist auch aktuell nicht auskömmlich
Im Schuljahr 2019/2020 besuchen in Bad Honnef insgesamt
519 Kinder eine Offene Ganztagsschule (OGS). 106 Kinder besuchen die OGS am Hauptstandort der Löwenburgschule in Rommersdorf, 49 jene am Teilstandort in Rhöndorf. 134 Kinder sind in der OGS Am Reichenberg, 100 in der Sankt Martinus-Grundschule in Selhof sowie 130 in Aegidienberg an der Theodor-Weinz-Grundschule.Zusätzlich zur OGS sind
86 Kinder in der Bis-Mittag-Betreuung , davon 28 am Hauptstandort Löwenburgschule, acht am Nebenstandort Rhöndorf, 29 an der Selhofer Grundschule und 21 an der Theodor-Weinz-Grundschule.Laut Silke Kornstädt, Geschäftsführerin der Stadtjugendring gGmbH als Träger von vier der fünf OGS-Angebote, ist das
Angebot schon jetzt nicht auskömmlich . So stünden in Rommersdorf aktuell 16 Kinder auf der Warteliste; fünf davon sind in der Bis-Mittag-Betreuung. In Selhof stehen sechs Kinder auf der Warteliste, fünf sind in der Bis-Mittag-Betreuung. In Aegidienberg warten vier Kinder auf einen OGS-Platz; drei davon werden bis mittags betreut. Freie Kapazitäten gibt es lediglich Am Reichenberg mit aktuell 26 freien OGS-Plätzen. suc

 

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 21.11.2019

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