Kohle aus Kakaoschalen

Administrator (admin) on 09.08.2019

Der Aegidienberger Thomas Mockenhaupt und der Ghanaer Bright Osei planen ein Klimaschutzprojekt für Afrika

Kohle aus Kakaoschalen

Der Aegidienberger Thomas Mockenhaupt und der Ghanaer Bright Osei planen ein Klimaschutzprojekt für Afrika

 

Von Claudia Sülzen

Aegidienberg. In der Diskussion um den Klimawandel werden oft Forderungen nach dem ganz großen Wurf laut. Dabei sei es nicht minder wichtig, im vermeintlich Kleinen zu schauen, wie weniger CO 2 in die Atmosphäre gelangen kann, sagt Diplom-Ingenieur Thomas Mockenhaupt. An der Technischen Hochschule Köln sind Auftragsforschung im Bereich „Erneuerbare Energien“ sowie Akquise und Koordination von Projekten auf diesem wichtigen Feld das Metier des Aegidienbergers. In dieser Mission reiste Mockenhaupt auch nach Ghana, wo eine solcher kleinen Maßnahmen Großes bewirken könnte: Mit einem Pyrolyseofen für Kakaoschalen könnte aus einem Abfallprodukt hochwertige Kohle werden, berichtet er.

Es wäre eine Win-win-Situation für die Umwelt und die Menschen in der afrikanischen Region, ist auch Bright Osei überzeugt. Der gebürtige Ghanaer, der in seiner Heimat ein Ingenieurstudium auf dem Feld der Energieversorgung absolviert und unter anderem während eines Anerkennungsjahres bei der „Ghana Atomic Energy Commission“ zu diesem Thema geforscht hat, erläutert mit Mockenhaupt, wie es besser gehen könnte – ökologisch ebenso wie wirtschaftlich.

In seiner Heimat zeige sich, wie die Dinge ineinander greifen. „In Ghana wird fast überall mit Kohle gekocht. Ganze Wälder werden dafür abgeholzt“, berichtet der 31-Jährige. Auf der Hand liegt: Nicht nur gelangt so jede Menge CO 2 in die Atmosphäre. Die Abholzungen vernichten Wälder, die wirksame Kohlendioxidsenker und die wichtigsten Sauerstoffproduzenten sind.

Gleichzeitig verfügen die Ghanaer über einen Rohstoff, dessen Wert sie bisher verkennen: die Schalen von Kakaobohnen. Die Kakaoproduktion ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Zentralafrika, die Ernte liegt laut Mockenhaupt bei rund 2,3 Millionen Tonnen pro Jahr in Ghana und der Elfenbeinküste – das ist die Hälfte der weltweiten Produktion. Die Schalen werden bislang nicht genutzt. Sie werden direkt auf den Plantagen entfernt und auf den Boden geworfen. Dabei verdichten sie diesen und erschweren damit die Bewässerung – und verschlechtern so mittel- bis langfristig auch den wichtigen Ernteertrag.

Mockenhaupt und Osei hoffen nun auf Unterstützung der Wirtschaft für ein Verfahren, das das Abfallprodukt nutzbar macht: Die Pyrolyse von Kakaoschalen wurde in einem studentischen Master-Projekt am Forschungsinstitut CIRE (Cologne Institute for Renewable Energy) entwickelt, für das Mockenhaupt tätig ist. Aber: „Ohne die Unterstützung der Industrie geht es nicht.“ Bei der Pyrolyse handele es sich um einen Veredelungsprozess, bei dem das biologische Material bei minimaler Sauerstoffzufuhr erhitzt wird. Dadurch lösten sich viele Bestandteile auf, der Kohlenstoff aber bleibe erhalten – und könne als Energieträger die herkömmliche Holzkohle ersetzen. Zudem könnten zur Herstellung des Pyrolyseofens alte Ölfässer verwendet werden, doppeltes Recycling also. Studenten einer Bachelor-Projektgruppe entwickelten eine Konstruktion aus zwei ineinander gesetzten Ölfässern, in denen dann aus den Kakaoschalen hochwertige Kohle entsteht.

„Energie ist in Ghana ein sehr wichtiges Thema“, sagt Osei, der hofft, einen Impuls für Menschen und Natur in seiner Heimat setzen zu können. Die Mischung macht's, ist er überzeugt: „Es ist Wahnsinn, wie viele erneuerbare Energien genutzt werden könnten, aber nicht genutzt werden.“ Dass auch einzelne Initiativen wie Kohle aus Kakao eine Menge bewirken können, belegt Mockenhaupt unter anderem mit dieser Zahl: Der Brennwert von einer Million Tonnen Schalen entspreche in etwa dem von 400 000 Litern Heizöl. Auch dieser Effekt sei nicht von der Hand zu weisen: Öl sei nun mal vom Weltmarktpreis abhängig und teuer, die Kakaoschalen gebe es quasi kostenlos. Und mittels der genannten Technik könnten Familien und Siedlungen energieautarker werden. Erste Kontakte nach Ghana, die aus der Idee Realität werden lassen könnten, seien geknüpft.

Mockenhaupt und Osei wollen am Ball bleiben. Mockenhaupt: „Man darf sich nicht nur auf die Fahnen schreiben, erneuerbare Energien nutzen zu wollen, man muss sie auch nutzbar machen. Und es ist doch egal, wo das CO 2 eingespart wird – Hautsache, man tut es.“

Kontakt per E-Mail an thomas.mockenhaupt(at)th-koeln.de

 

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 09.08.2019

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