Vor 50 Jahren - 26. November 1969

Administrator (admin) on 26.11.2019

Bad Honnef. Wenn man früher die landwirtschaftlichen Produkte Botte un Eie besprach, kam für die Honnefer immer Jiligenberg (Aegidienberg) heraus.

50 Jahren
26. November 1969: Bad Honnef. Wenn man früher die landwirtschaftlichen Produkte Botte un Eie besprach, kam für die Honnefer immer Jiligenberg (Aegidienberg) heraus. Dieser verlorene Sohn, der einmal als Honneferrott die siebente Honschaft gebildet hat, dann lange Zeit hindurch infolge überlokaler Verfügung zu Königswinter geschlagen wurde und jüngst im Zuge neuzeitlichen „Hausputzes“ wieder heimkehrte, galt ehedem als Hauptlieferant der Erzeugnisse von Kuh und Hahn. Handelsstraße war das Schmelztal, bis um Mitte des vergangenen Jahrhunderts verkehrsmäßig noch zu „Rußland“ zählend, denn den Zugang bildete der dichte „Bösch“ im Osten mit Pfaden, Pfädchen und einem Hauptweg, in dessen Karrenspuren die heutigen Damenschühchen hoffnungslos versunken wären.
Aneinandergereiht ergab ein Teil solcher Pfade eine Direktverbindung, „de Bottewäch“, über den „jong Bein“, besonders zu Tal, den großen Abstand von oben nach unten schnell zu meistern vermochten. Die „Erschließung“ durch den Ausbau der Straße um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts brachte zwar dem Fuhrwerksverkehr großen Vorteil, vor allem durch Einführung der Postkutsche, aber von diesem Fortschritt machten die Bauern von droben wenig Gebrauch, denn die drei Groschen Fahrgeld kamen beim Handel nicht heraus. An der Pfarrkirche in Bad Honnef herrschte reges Treiben. In zwei Reihen, die sich vom Marktkreuz bis hinab zum Wetterhäuschen, das abends im Dunkeln Verliebten Treffpunkt war, hielten die Frauen von Aegidienberg ihre Ware feil. Dabei wurde nicht nur gefeilscht, sondern auch eifrig kritisiert. Ganz unerzogene Käuferinnen pflückten sich eine Haarnadel aus der falschen Flöch (Haarturm) und erlaubten sich einen Abstrich, um mit schnalzender Zunge etwas zu kritisieren: „Die schmack noh Källe!“, wenn sie glaubten, der Rahm sei zu lange im Keller aufbewahrt worden. Den Erlös nahmen die Wäller (Aegidienberger) nicht ganz mit heim. Ein Teil blieb hier drunten, z.B. beim Dix am Markt, umgesetzt in Winkelswah (Winkelsware), Petroleum, Strangtabak oder Prömm. mabAus dem Archiv der Honnefer Volkszeitung

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 26.11.2019

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