Corona - Gipfel:
Ergebnis des Bund- Ländergipfels vom 03.03.2021

Nach neunstündigen Beratungen haben Bund und Länder den weiteren Corona-Fahrplan bis Ende März verkündet. Der Lockdown wird demnach erneut bis 28. März verlängert, einige Geschäfte dürfen aber öffnen und bei Treffen sind ab kommender Woche wieder mehr Kontaktpersonen erlaubt.

 

Frau Fi­scher sucht das Glück

Administrator (admin) on 06.01.2021

Die Hyg­ge-Ex­per­tin aus Ae­gi­dien­berg be­schäf­tigt sich in ih­rem Buch mit „We­gen zum Glück“

Frau Fi­scher sucht das Glück

Die Hyg­ge-Ex­per­tin aus Ae­gi­dien­berg be­schäf­tigt sich in ih­rem Buch mit „We­gen zum Glück“

 

Glück ist ein Be­griff, den wohl nur we­ni­ge mit dem Jahr 2020 in Ver­bin­dung brin­gen. Doch An­drea Fi­scher hat sich ge­nau da­mit be­schäf­tigt. Die Un­ter­neh­me­rin aus Ae­gi­dien­berg ist Mit-Au­to­rin und Her­aus­ge­be­rin ei­nes ge­ra­de er­schie­ne­nen Bu­ches zum The­ma. Sie hat zum in­ter­na­tio­na­len UN-Welt­glücks­tag am 20. März 2020 ei­nen di­gi­ta­len Glücks­gip­fel mit 600 Teil­neh­mern or­ga­ni­siert und plant zum glei­chen Da­tum 2021 in Bad Hon­nef ei­nen Glücks­gip­fel als Prä­senz­ver­an­stal­tung. Mit ihr sprach An­drea Si­mons.

Frau Fi­scher, wie kom­men Sie in ei­nem für vie­le so ver­korks­ten Jahr da­zu, sich mit dem The­ma Glück aus­ein­an­der­zu­set­zen?

An­drea Fi­scher: Die co­ro­na­be­ding­te Flau­te ha­be ich ge­nutzt, um zu tun, was ich schon lan­ge ma­chen woll­te. Als selbst­stän­di­ge Un­ter­neh­me­rin war auch ich zu Be­ginn des ers­ten Lock­downs erst mal in Schock­star­re. Aber nach ein paar Ta­gen ha­be ich mich auf das be­son­nen, was mein Le­ben ei­gent­lich aus­macht: Fa­mi­lie, Ge­sund­heit und in­ne­re Zu­frie­den­heit. Ich ha­be mich ge­fragt, wo die Chan­cen in der Kri­se und wo mei­ne Ein­fluss­be­rei­che lie­gen.

Ge­hört das Sich-Um­ori­en­tie­ren-Kön­nen zum Glück­lich­sein da­zu?

Fi­scher: Ja, es geht dar­um, das zu fo­kus­sie­ren, was ge­ra­de ist. Wohl­be­fin­den ge­hört auch da­zu, das Be­wusst­wer­den der per­sön­li­chen Be­dürf­nis­se und da­mit die Wahr­neh­mung. Je auf­merk­sa­mer ich bin und wahr­neh­me, des­to tie­fer kann ich emp­fin­den. Das drit­te „W“ ist die wert­schät­zen­de Hal­tung und da­mit auch im Blick zu ha­ben, was ich al­les ha­be – nicht nur ma­te­ri­ell. Stu­di­en zu­fol­ge ist ein be­stimm­ter fi­nan­zi­el­ler Grund­stock wich­tig, aber man wird nicht glück­li­cher, je mehr Geld man zu­sätz­lich an­häuft.

Ihr Buch hei­ßt „We­ge zum Glück“. Wel­che sind das?

Fi­scher: Sehr ver­schie­de­ne We­ge. Chris­tin Pri­ze­li­us und ich ha­ben im Buch 15 Bei­trä­ge von Ex­per­ten zu­sam­men­ge­stellt. Da geht es um die psy­cho­lo­gi­sche Sicht­wei­se der Ver­ant­wor­tung des Ein­zel­nen, um phi­lo­so­phi­sche und so­zio­lo­gi­sche Per­spek­ti­ven, um Brut­to­na­tio­nal­glück und Ein­fluss­fak­to­ren des Glücks, de­ren Kon­se­quen­zen für Po­li­tik und Wirt­schaft, um Tech­nik und Bil­dung, um die Un­ter­neh­mens­welt, die Na­tur und es ent­hält All­tags­tipps. Das Buch soll den Le­sern Im­pul­se ge­ben, ih­re ei­ge­nen We­ge zu fin­den.

Wie war denn Ihr Weg zum The­ma Glück?

Fi­scher: Ich be­schäf­ti­ge mich schon sehr lan­ge mit der Zu­frie­den­heit der Men­schen, vor al­lem am Ar­beits­platz. Vor ei­ner Rei­se mit mei­ner Fa­mi­lie nach Dä­ne­mark hat mir ei­ne Kol­le­gin ein Buch über die dä­ni­sche Glücks­phi­lo­so­phie Hyg­ge ge­schenkt. Dann woll­te ich her­aus­fin­den, war­um die nor­di­schen Län­der in Sa­chen Le­bens­zu­frie­den­heit all­jähr­lich ganz oben und weit vor Deutsch­land lan­den und wie man die­se Zu­frie­den­heit auch im Be­rufs­le­ben er­reicht.

Und was kön­nen die Deut­schen von den Dä­nen ler­nen?

Fi­scher: Dass wir un­ser Glück und un­ser Le­ben selbst ge­stal­ten kön­nen. Wir ha­ben es selbst in der Hand. Das „gro­ße Glück“, et­wa die Freu­de über das Er­rei­chen ei­nes lan­ge an­ge­streb­ten Ziels, hält nur kurz. Aber je­den Tag gibt es klei­ne Din­ge, Er­leb­nis­se, Men­schen, Wahr­neh­mun­gen, die uns glück­lich ma­chen kön­nen. Au­ßer­dem sind es das Mit­ein­an­der und Für­ein­an­der. In Dä­ne­mark et­wa kä­me nie­mand auf die Idee, dass der Gast­ge­ber ei­ner Fei­er al­les al­lei­ne macht. Da be­tei­ligt sich je­der, bringt et­was zu es­sen mit, und es muss auch nicht al­les per­fekt sein. Das macht die Dä­nen ge­las­se­ner.

Sie selbst wid­men sich in dem Buch Ih­rem Spe­zi­al­ge­biet „Busi­ness­Hyg­ge“, dem Glück­lich­sein im Job. Wo kann da je­der an­set­zen?

Fi­scher: Zum ei­nen bei der in­ne­ren Hal­tung zum Job. Wir kön­nen auf­hö­ren zu jam­mern und an­fan­gen, auf un­se­re Ein­stel­lung und Spra­che zu ach­ten. In Deutsch­land scheint es nor­mal, sich ne­ga­tiv zu äu­ßern und über die Ar­beit, den Chef oder die Kol­le­gen zu kla­gen, statt in Mög­lich­kei­ten und Lö­sun­gen zu den­ken. Das wirkt auf uns zu­rück, auf At­mung, Blut­druck, Ver­span­nun­gen und Stress­le­vel. Dann ist das Mit­ein­an­der sehr wich­tig, ge­nau­so wie die Füh­rungs- und Un­ter­neh­mens­kul­tur. Der vier­te Be­reich ist die Ar­beits­platz- so­wie Ar­beits­zeit­ge­stal­tung. Wir kön­nen es uns auch im Job ge­müt­lich ma­chen. Hyg­ge­lig ist für die Dä­nen et­was, das ge­müt­lich und ver­traut ist wie das Zu­hau­se.

Ist al­so das we­gen Co­ro­na boo­men­de Ho­me­of­fice ein Schlüs­sel zu Glücks­ge­füh­len im Be­ruf?

Fi­scher: Ei­ner der Schlüs­sel ist es, Ar­beit und Frei­zeit nicht als Ge­gen­sät­ze zu se­hen. Die Work-Life-Ba­lan­ce ist ein Trug­schluss. Es führt nicht zu Zu­frie­den­heit, wenn ich auf der ei­nen Sei­te En­er­gie las­se, die ich dann auf der an­de­ren Sei­te wie­der auf­la­den muss. Auch der Be­ruf soll­te uns er­fül­len. Co­ro­na hat vie­len er­mög­licht, in­ne­zu­hal­ten und nicht nur im Kel­ler, son­dern auch im Le­ben auf­zu­räu­men. Man­che ver­har­ren. Aber es gibt in der Pan­de­mie auch Bei­spie­le gro­ßer Krea­ti­vi­tät und sen­sa­tio­nel­ler neu­er be­ruf­li­cher Kon­zep­te. Da wirk­te die Co­ro­na-Pan­de­mie wie ein Weck­ruf. Für ein gu­tes Mo­dell hal­te ich die Kom­bi­na­ti­on aus Prä­senz­ar­beits­zeit und Ho­me­of­fice.

Wie ist denn das Ar­bei­ten in Ih­rer „Hyg­ge-Aka­de­mie“?

Fi­scher: Mitt­ler­wei­le ar­bei­te ich meist vom Bü­ro aus, das so hyg­ge­lig ein­ge­rich­tet ist, wie ich es auch zu Hau­se mag: mit ei­nem Bild vom Meer, Ker­zen, Pflan­zen, De­ko zwi­schen den Bü­chern. Ich sit­ze da bei Tee, manch­mal mit Mu­sik und ge­müt­li­chen So­cken an den Fü­ßen. Und das Mit­ein­an­der un­ter Kol­le­gen und zu den Kun­den prä­gen Au­gen­hö­he, Wert­schät­zung und Ver­trau­en.

Ge­ra­de pla­nen Sie für den 20. März 2021 ei­nen ein­tä­gi­gen Glücks­gip­fel, der in Bad Hon­nef bei ei­ner Scho­ko­la­den­ma­nu­fak­tur statt­fin­den soll. Weil Scho­ko­la­de glück­lich macht?

Fi­scher: Der Ver­an­stal­tungs­ort bie­tet vie­le Mög­lich­kei­ten. Der Duft von Scho­ko­la­de und der Blick in die Pro­duk­ti­ons­hal­len aus al­len Räu­men tra­gen zur At­mo­sphä­re bei, denn es geht beim Glücks­gip­fel nicht nur um Wis­sens­ver­mitt­lung. Ex­per­ten hal­ten Kurz­vor­trä­ge, es gibt Work­shops, aber auch Glücks­me­di­ta­ti­on, Scho­ko­la­den­gie­ßen und an­de­re Ak­ti­vi­tä­ten.

Und wer nimmt teil?

Fi­scher: Je­der kann teil­neh­men. We­gen der un­kla­ren Pan­de­mie-La­ge ha­ben wir die Teil­neh­mer­zahl zu­nächst auf 150 be­grenzt.

Zur Per­son

An­drea Fi­scher legt mit dem ak­tu­el­len ihr sechs­tes Buch zum The­ma Zu­frie­den­heit und Glück vor. Die Päda­gogin hat Ger­ma­nis­tik, Psy­cho­lo­gie und Fran­zö­sisch stu­diert und war zu­nächst in der Er­wach­se­nen­bil­dung so­wie seit mitt­ler­wei­le 25 Jah­ren als Per­so­nal­ent­wick­le­rin in Un­ter­neh­men tä­tig. Mit ih­rer 2018 in Kö­nigs­win­ter er­öff­ne­ten Hyg­ge-Aka­de­mie ist sie An­fang des Jah­res 2020 nach Bad Hon­nef-Ae­gi­dien­berg um­ge­zo­gen. Dort lebt die 52-Jäh­ri­ge auch mit ih­rem Mann und den zwei Kin­dern. Das Buch „Vie­le We­ge füh­ren zum Glück. Ex­per­ten stel­len vor“ hat sie ge­mein­sam mit Chris­tin Pri­ze­li­us im Sprin­ger-Ver­lag her­aus­ge­ge­ben.

 

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 05.01.2021

Back