Je­cken fei­ern nach ei­nem Jahr Pau­se

Administrator (admin) on 15.11.2021

In Ae­gi­dien­berg, Nie­der­dol­len­dorf und in Ober­pleis kom­men die Nar­ren zu­sam­men, in Bad Hon­nef ist Ses­si­ons­auf­takt ab­ge­sagt

Je­cken fei­ern nach ei­nem Jahr Pau­se

In Ae­gi­dien­berg, Nie­der­dol­len­dorf und in Ober­pleis kom­men die Nar­ren zu­sam­men, in Bad Hon­nef ist Ses­si­ons­auf­takt ab­ge­sagt

 

Von Ga­brie­la Quarg und Iris Zum­busch

KÖ­NIGS­WIN­TER/BAD HON­NEF. | Das Wo­chen­en­de nach dem Elf­ten im Elf­ten nut­zen die Je­cken im Sie­ben­ge­bir­ge, um ih­ren Ses­si­ons­auf­takt zu fei­ern – oder die ers­ten Tol­li­tä­ten zu pro­kla­mie­ren.

Ae­gi­dien­berg. In Ae­gi­dien­berg ha­ben die Je­cken das Fei­ern nicht ver­lernt. Im Bür­ger­haus zeig­te sich Prä­si­dent der KG Kl­ääv Botz, Gui­do Ot­ter­bach, bei der Er­öff­nung des Pro­gramms zur Prin­zen­pro­kla­ma­ti­on je­den­falls hoch er­freut: „ Wir ha­ben ei­nen voll be­setz­ten Saal, ich bin sprach­los. Das ist der schöns­te Abend des Jah­res“, sag­te er.

Mit fröh­li­chem Schun­keln und Klat­schen wur­den El­fer­rat und Prin­zen­paar der Ses­si­on 2019/2020, Uli I und Ae­gi­dia Ra­mo­na I, im Saal emp­fan­gen. Das schei­den­de Prin­zen­paar schick­te noch ein­mal ei­nen hei­te­ren Ab­schieds­gruß von der Büh­ne. „Prin­zen­paar wer­den ist ei­ne tol­le Er­fah­rung, das kann ich nur je­dem emp­feh­len“, rief Uli I.

Nun hieß es für das fröh­li­che Kar­ne­vals­volk sich in Ge­duld zu üben. „Wer wird denn wohl fort­an das Zep­ter in Ae­gi­dien­berg schwin­gen?“, hieß die span­nen­de Fra­ge. Der Spiel­manns­zug, die hin­rei­ßen­den Fünk­chen und die Jun­gen Trom­pe­ter sorg­ten da­für, dass die Span­nung in bes­ter Stim­mung gut aus­zu­hal­ten war. Und end­lich: Der ro­te Vor­hang hin­ter der Büh­ne öff­ne­te sich. Fröh­lich win­kend tra­ten die neu­en Re­gen­ten her­vor: Ro­land I. und Sil­via I. (Schramm) zeig­ten sich ih­rem „Jil­li­en­ber­ger“ Nar­ren­volk.

Das Bad in der Men­ge ge­noss das Prin­zen­paar sicht­lich in vol­len Zü­gen. Al­le Auf­re­gung war ver­flo­gen. „Öff­net üür Hätt­ze, för Min­sche und dat Vee­del“. Mit die­sem Mot­to – öff­net eu­re Her­zen für Men­schen und Orts­tei­le – wol­len die bei­den Kar­ne­va­lis­ten mit Herz­blut durch­star­ten. „Wir wol­len Freu­de und Froh­sinn ver­brei­ten und durch die Ge­mein­schaft die Her­zen der Men­schen be­rüh­ren“, er­klär­te Ro­land I und füg­te hin­zu: „Trotz der gro­ßen Her­aus­for­de­rung freu­en wir uns auf ei­ne schö­ne Ses­si­on“.

Prinz Ro­land I. und Ae­gi­dia Sil­via I. sind bei­de in Es­sen ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen. Ihr ge­mein­sa­mes Hob­by ist das Tau­chen. So lern­ten sie sich auch in ei­nem Es­se­ner Tauch­ver­ein ken­nen. Ge­mein­sa­me Tau­ch­ur­lau­be folg­ten, es wur­de ge­hei­ra­tet. Der Le­bens­weg führ­te das Paar nach Ae­gi­dien­berg-Hö­vel, wo sie sess­haft wur­den. Der „Ba­zil­lus Kar­ne­va­li­tis“ zog bei Fa­mi­lie Schramm ein. Auch die Kin­der Ce­li­ne und Gor­don wur­den be­reits an­ge­steckt.

Nie­der­dol­len­dorf. Der Na­me der Nie­der­dol­len­dor­fer KG „Me brän­gen et fä­dig“ ist Pro­gramm. „Wir schaf­fen das“ be­deu­tet er auf Hoch­deutsch und dass die Ak­teu­re Kar­ne­val stem­men kön­nen, ha­ben sie bis­her 125 Jah­re plus ei­nem be­wie­sen.

Die Fei­er zum 125. Ju­bi­lä­um 2020 muss­te aus­fal­len. Das wur­de nun, ein Jahr spä­ter, im Saal des Ar­beit­neh­mer­zen­trums in Nie­der­dol­len­dorf nach­ge­holt. Für die Lau­da­tio war das kar­ne­va­lis­ti­sche Ur­ge­stein Wil­li Arm­brös­ter er­schie­nen. Dem be­gna­de­ten Reim­red­ner war of­fen­bar kein An­ek­döt­chen aus der His­to­rie der KG ent­gan­gen. Mit scharf­zün­gi­gem Hu­mor nahm er so manch ei­nen Nar­ren aufs Korn. Sei­ne hu­mor­vol­le Bi­lanz: „125 Johr do­bei – im­mer Spaß und Nar­re­tei, im­mer laa­che, sprin­ge, dan­ze, kee­ne Knies, ke­en Dis­kre­pan­ze. Wer su­jet jlöw, der tut mir leid, kennt nicht die wah­re Wirk­lich­keit. Denn was in die­ser lan­gen Frist, all in de Botz ge­gan­gen ist, das geht ge­bü­gelt und ge­staut, auf kei­ne Ele­fan­ten­haut“, so Arm­brös­ter.

Ute Schmidt-Küs­ter, 1. Vor­sit­zen­de der KG, ehr­te Arm­brös­ter her­nach für 60-jäh­ri­ge Mit­glied­schaft im Ver­ein. Als­dann wur­de es un­ru­hig vor dem Saal. Denn: Die neue Kin­der­tol­li­tät mach­te sich be­reit für ih­ren ers­ten auf­re­gen­den Auf­tritt. Un­ter dem Ju­bel der Nie­der­dol­len­dor­fer Je­cken zog Sharon I. (Lo­renz) mit Ge­fol­ge auf die Büh­ne. Sil­ke Frink (Grü­ne), stell­ver­tre­ten­de Bür­ger­meis­te­rin von Kö­nigs­win­ter, be­grü­ß­te die neue Kin­der­prin­zes­sin. Jet­te I., die schei­den­de Prin­zes­sin, über­gab Um­hang, Dia­dem und Zep­ter an ih­re Nach­fol­ge­rin.

„Sharon I. bin ich nun – ab jetzt da gibt es viel zu tun. Ob jung, ob alt, ob groß, ob klein – euch lad ich al­le ein, mit mir zu fei­ern und zu la­chen und je­cke Sa­chen mit­zu­ma­chen“, ver­kün­de­te Sharon I. Die Zehn­jäh­ri­ge ist da­mit die fünf­te Kin­der­tol­li­tät in der Ge­schich­te der KG. In der St. Jo­sef Ge­samt­schu­le be­sucht sie die 5. Klas­se. Zu ih­ren Hob­bys zäh­len Leicht­ath­le­tik, Rei­ten, Ma­len und Ko­chen. „Ich es­se ger­ne Spi­nat“, ver­rät sie la­chend. Und: Am Sonn­tag, 16. Ja­nu­ar, wird ab 14.11 Uhr die Hof­burg von Sharon I. im Bre­ders­hof er­öff­net.

Ober­pleis. Er ist seit 43 Jah­ren Mit­glied der Blau-Weis­sen Fun­ken der Nar­ren­zunft Ober­pleis, war acht Jah­re lang Ge­ne­ral­stabs­chef und neun Jah­re im Vor­stand ak­tiv – am Sams­tag­abend ist Achim Kern, der zu­dem 2007 mit sei­ner Frau In­ge als Prin­zen­paar das je­cke Volk in Ober­pleis re­gier­te, nun für sei­ne Ver­diens­te um den Plee­ser Fas­te­lo­vend mit dem Dan­kor­den der Nar­ren­zunft aus­ge­zeich­net wor­den.

Auch nach dem Rück­zug aus sei­nen Äm­tern 2014 be­zie­hungs­wei­se 2015 hat­te Kern sich näm­lich nicht kar­ne­va­lis­tisch zur Ru­he ge­setzt, son­dern den „Knub­bel“ für al­le Mit­glie­der über 60 Jah­re ins Le­ben ge­ru­fen. „Da­für möch­ten wir dir heu­te Dan­ke sa­gen“, sag­te Gi­se­la Krill, Or­dens­trä­ge­rin des Jah­res 2019, in ih­rer Lau­da­tio. Sie hat­te die kost­ba­re Or­dens­ket­te mit den Em­ble­men al­ler bis da­to 43 Or­dens­trä­ger gleich zwei Jah­re lang tra­gen dür­fen, da 2020 Co­ro­na-be­dingt kein Nach­fol­ger ge­kürt wer­den konn­te.

Mit Achim Kern wur­de aber nun zum 44. Mal ein Kar­ne­va­list für sein be­son­de­res En­ga­ge­ment um das rhei­ni­sche Brauch­tum mit der von Kurt B. Wirtz im Jahr 1976 ge­stif­te­ten Aus­zeich­nung ge­ehrt. „Ich bin sehr ge­rührt“, sag­te Kern, nach­dem ihm die am­tie­ren­de Prin­zes­sin La­le die Or­dens­ket­te um den Hals ge­hängt hat­te. Er sei stolz dar­auf, die Aus­zeich­nung stell­ver­tre­tend für al­le Eh­ren­amt­ler ent­ge­gen zu neh­men, „die ak­tiv in der Nar­ren­zunft mit­wir­ken und so da­für sor­gen, dass un­ser Brauch­tum er­hal­ten bleibt und der Ver­ein wei­ter­lebt“.

Ge­fei­ert wur­de der neue Or­dens­trä­ger im Rah­men ei­nes ge­müt­li­chen Bei­sam­men­seins im Propst-Ger­hard-Saal. Vor­sit­zen­der Lud­wig Man­der­scheid und Prä­si­dent An­dre­as Fried­rich konn­ten ins­ge­samt 84 Gäs­te be­grü­ßen, so vie­le wie nie zu­vor bei ei­ner Or­dens­ver­lei­hung. „Schein­bar ha­ben die Leu­te Lust, end­lich wie­der Kar­ne­val zu fei­ern“, so Pres­se­wart Fritz We­gen. Ei­ne un­be­schwer­te Fei­er ließ die mo­men­ta­ne Co­ro­na-Si­tua­ti­on al­ler­dings nicht zu: teil­neh­men durf­ten nur Ge­impf­te oder Ge­ne­se mit zu­sätz­li­chem ne­ga­ti­ven Co­ro­na-Test, ei­ne Tanz­dar­bie­tung der ver­eins­ei­ge­nen Gar­den wur­de ge­stri­chen. Kar­ne­va­lis­tisch für Stim­mung sorg­ten al­ler­dings „De Hu­us­meis­ter vum Bun­des­daach“ – wohl die ein­zi­gen, die wirk­lich wis­sen, was der­zeit im Bun­des­tag los ist, und dies auch sehr zur Freu­de der Plee­ser Je­cken un­ge­niert aus­plau­der­ten.

Mehr auf www.​kamelle.​de

 

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 15.11.2021

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