Von Marie-Antoinette bis Dirk Nowitzki

Administrator (admin) on 05.02.2020

Beim Literaturkreis im Siebengebirge stehen vier spannende Biografien im Mittelpunkt

Von Marie-Antoinette bis Dirk Nowitzki

Beim Literaturkreis im Siebengebirge stehen vier spannende Biografien im Mittelpunkt

Von Roswitha Oschmann
AEGIDIENBERG. Was haben Dirk Nowitzki, Marie Antoinette, Archie Ferguson und Wilson Bentley gemeinsam? Diese Frage des Literaturkreises im Siebengebirge (LiS) lockte so viele Besucher wie nie zuvor zum Literatur-Kaffee. Die Veranstaltung stand dieses Mal unter dem Motto „Biografien“. Und so wechselten die mehr als 60 Teilnehmer nach Kuchen und Kaffee vom Stammlokal des literarischen Austauschs, dem Café Schlimbach, ins benachbarte Kaminstudio von Christian Kubbe. In gemütlicher Atmosphäre des Schauraums, mit Blick auf das flackernde Kaminfeuer, stellten dort vier Bücherfreunde jeweils eine Biografie vor.
Eine von ihnen war Gabriele Hamburger, die selbst Autorin historischer Romane ist. Sie widmete sich Stefan Zweigs Story über Marie-Antoinette, die als berühmtestes Opfer der Guillotine in die Geschichte einging. „Es ist mein Lieblingsbuch“, meinte Hamburger. Unterhaltsam schilderte sie den Lesestoff – Marie-Antoinette, 15. Kind von Maria Theresia, mit 14 Jahren mit dem französischen Thronfolger verheiratet. „Er war groß, aber kein Adonis, sondern eine absolute Schlaftablette“, beschrieb Hamburger den späteren König Ludwig XVI. Das 1932 erschienene Buch sei geschichtlich und literarisch auf höchstem Niveau. Der Schriftsteller habe viel Neues ausgegraben. Auch der Aus­spruch der Königin, das Volk solle Kuchen essen, wenn es kein Brot habe, sei nie gefallen. „So lebensfremd war sie nicht.“LiS-Vorsitzende Silke Kornstädt widmete sich einer Person der Neuzeit. Sie habe sich zwar nie mit Basketball befasst, aber ein zufällig entdecktes Interview mit Basketball-Star Dirk Nowitzki habe sie veranlasst, die Biografie „The Great Nowitzki“ von Thomas Pletzinger zu lesen. „Sieben Jahre lang hat der Schriftsteller den Ausnahme-Basketballer begleitet, immer mit dem Ziel, die unglaubliche Karriere Nowitzkis nachzuvollziehen. Drei-, viermal im Jahr fuhr er nach Dallas, um mit ihm zu sprechen, aber auch mit den Menschen, die ihm im Alltag begegnen.“ Kornstädt: „Jeder in Dallas hat eine Dirk-Geschichte.“ Und: „Der Autor verehrt Nowitzki, wahrt aber immer die Distanz. Das Buch war ein Erlebnis.“Skylar Hamill meinte lachend: „Mein Buch ist dicker, hat fast 1300 Seiten.“ Sie stellte Paul Austers Roman „4 3 2 1“ vor, in dem der berühmte Autor der New-York-Trilogie vier verschiedene Biografien von Archie Ferguson erzählt. Er lässt seinen jugendlichen Protagonisten, der aus einer osteuropäischen, jüdischen Familie stammt, vier verschiedene Lebenswege gehen, stets anders, weil der Zufall, der andere Bedingungen schafft, es so will. Hamill: „Das Lesen des Buches ist eine Herausforderung, aber es ist spannend.“Das Gegenstück: „Der Schneekristallforscher“ von Titus Müller – 160 Seiten. Monika Adelsberger war ganz fasziniert von Müllers Geschichte über Wilson Bentley. „Hätte er so viele Zuhörer gehabt wie wir heute, hätte er sich gefreut.“ Zu ihm kamen nämlich ganze neun Bewohner seines Dorfs, als er endlich Mut gefasst hatte, dort einen Vortrag zu halten. Bentley, 1865 in Jerichow in Vermont geboren, liebte Schnee. Er half auf der elterlichen Farm, „aber wenn eine Flocke fiel, war alles vorbei“. Auf einem schwarzen Brettchen betrachtete er sie. Unter dem alten Mikroskop der Mutter entdeckte er, dass jede Flocke anders ist. 5000 Kristalle fotografierte er. „Ich habe nicht gern gespielt, lieber geforscht. Aber zu Hause bin ich der Bauer“, sagte Bentley 1925 in einem Interview. Nach ihm ist der Bentley Crag benannt, ein Felsenkliff in der Antarktis. Eine Veranstaltung, die Lust auf Biografien machte.

 

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 05.02.2020

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