Die Geschichtenerfinderin

Administrator (admin) on 10.08.2019

Silke Deschamps aus Aegidienberg hat ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht. Der Großvater förderte ihre Fantasie

Die Geschichtenerfinderin

Silke Deschamps aus Aegidienberg hat ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht. Der Großvater förderte ihre Fantasie

 

Von Alexander Hertel

Aegidienberg. Am Ende stand die Erleichterung. Nach vielen „Ups and Downs“, wie Silke Deschamps sagt, hat die 27-Jährige aus Aegidienberg im vergangenen Mai ihr erstes Buch veröffentlicht. Es war ein langer Weg, hatte sie doch das Kapitel „Schriftstellerei“ 2017 fast schon abgeschlossen, weil sie keinen Verlag finden konnte. Nun hat es doch geklappt. „Mein Ziel war es, endlich das Buch auf den Markt zu bringen“, sagt die Aegidienbergerin. Nun also ist ihr Kinderbuch „Der Neumondzirkus“ auf dem Markt.

Vor mehr als zwei Jahren hat alles angefangen. Nachdem sie die Geschichte geschrieben hatte, suchte sie nach einer Möglichkeit, das Buch zu veröffentlichen. Doch über keinen der bekannten Verlage funktionierte es. So verwarf sie den Plan erst einmal wieder – bis sie im vergangenen Herbst mit einem Autor über das Self-Publishing ins Gespräch kam. „Erst hat es mich abgeschreckt“, gibt die 27-Jährige zu. Beim Selbstverlag hat der Autor alles in der eigenen Hand, muss sich aber auch um alles kümmern – vom Lektorat über die Gestaltung und den Druck bis zum Marketing. „Es liegt alles an mir.“

Eine befreundete Illustratorin übernahm die Zeichnungen, über eine Gruppe aus Österreich kam sie an eine Lektorin. „Ich habe die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennengelernt“, sagt sie. Letztlich hätten diese „glücklichen Fügungen“ dafür gesorgt, dass sie, obwohl „viel Schweiß und viele Tränen geflossen“ seien, vor zwei Monaten ihr Buch „Der Neumondzirkus“ in Händen hielt. Es kann in den Buchläden der Region oder auch online bestellt werden, dann werde es quasi auf Anforderung gedruckt, sagt die Autorin.

Das Kinderbuch erzählt von Anna, die am Abend ihres zehnten Geburtstages einen kleinen, funkelnden Stern erblickt. Er durchbricht den Himmel und kommt ihr immer näher. Es ist der Neumondzirkus, dessen Tiere dem Mädchen helfen wollen. Denn der anstehende Schulwettbewerb, bei dem sie sich als schnellste Läuferin behaupten muss, macht ihr Sorgen. Dort tritt sie ausgerechnet gegen Jonas an, der sie immerzu ärgert. „Es geht in der Geschichte darum, die eigenen Stärken zu erkennen und sich selbst zu überwinden“, sagt Deschamps. War sie selbst früher die schnellste Läuferin in der Schule? „Ganz und gar nicht. Ich war immer die langsamste bei Bundesjugendspielen“, sagt sie und lacht. „Vielleicht unterbewusst“ hat aber doch eine Gemeinsamkeit zwischen Anna und ihr in die Geschichte hineingespielt. „Ich hatte Bauchschmerzen davor“, erinnert sich die Aegidienbergerin, die sich Anfang dieses Jahres selbstständig gemacht hat und seitdem freiberuflich als Online-Redakteurin und Autorin arbeitet.

Einen großen Anteil an ihrer heutigen Tätigkeit haben ihre Großeltern. „Komm, wir denken uns eine Geschichte aus“, habe ihr Großvater in ihrer Kindheit oft gesagt. „Wie ein Ghostwriter schrieb der Opa genau das auf, was ich sagte“, erzählt Deschamps. Damals war sie etwa fünf Jahre alt und malte die Bilder zu ihren Fantasiegeschichten. Gefördert hat sie aber nicht nur der Großvater.

Auch ihre Großmutter spielte eine entscheidende Rolle. „Die Oma hat sich die Geschichten beim Stricken dann immer angehört“, sagt Deschamps. Ohne ihre Großeltern hätte sie wohl nicht mehr als 20 Jahre später ihr erstes Buch herausgebracht, meint sie. „Die Freude bei den beiden hat mich auf jeden Fall ermutigt weiterzumachen.“ Beide hat sie auch in der Geschichte vom Neumondzirkus verewigt, der Großvater hat sogar eine zentrale Rolle. „Mehr verrate ich aber nicht.“ Das Mystische und Fantasievolle begleite sie schon ihr ganzes Leben. Mit Grimms Märchen ist sie aufgewachsen. J.R.R. Tolkien, Autor von „Der Herr der Ringe“, nennt sie ihr größtes Vorbild.

Und ihre Heimat dient ihr als Inspirationsquelle – das Siebengebirge. Ihr Leben lang, mit einer Unterbrechung von vier Jahren, lebt sie in Aegidienberg. „Hier gibt es so viele Märchen und Mythen“, findet Deschamps und nennt als Beispiel den Drachenfels. Mit ihrem Mann und ihrem Hund unternimmt sie viele Touren durch die Berge. Sie entspannt bei Nordic Walking und beim Bogenschießen. „Dabei ist die Kunst, alles um einen herum auszublenden.“

Auch wenn Silke Deschamps schon seit ihrer Kindheit schreibt, hat sie auch andere Professionen ausprobiert. Sie machte eine Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin und Heilpraktikerin. Doch daraus wurde schließlich nichts. Dennoch sagt sie: „Ich bin froh, wie es gelaufen ist.“ Sie bildete sich zur Online-Redakteurin weiter und schreibt heute auch viel über medizinische Themen, wobei ihr ihre erste Ausbildung hilft. „Das Leben hat mich zum Schreiben getreten“, sagt Deschamps über ihren Werdegang.

Auch wenn sie mit der Veröffentlichung ihres Buches nun ein großes Ziel erreicht hat, ihren eigentlichen Traum hat sie noch nicht verwirklicht. „Mein größtes Ziel ist es, als Autorin hauptberuflich zu arbeiten.“ Und dann wäre es ihre größte Freude, „wenn ein Kind das Buch liest und sich später als Erwachsener noch daran erinnert“. Ihr nächstes Buch soll allerdings eines für Jugendliche werden.

Über den Inhalt will die 27-Jährige noch nichts verraten. Nur so viel: „Es wird wieder etwas Mystisches, Märchenhaftes, Geheimnisvolles.“

 

Quelle: General-Anzeiger-Bonn vom 10.08.2019

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